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                                                 KRETAREISE

                                        September /Oktober 2009

                                      

        

 

   Text und Fotos: Irene Kohlberger

                                        

 

 

  Dieser kleine Bericht ist meinem Freund und Reisegefährten Herbert gewidmet,

            der uns beide sicher und fröhlich durch West- Kreta chauffierte.


Mittwoch, 23. September

 

Nach ruhigem Flug landen wir am Spätnachmittag  in Chania. In der ungewöhnlich leeren Ankunftshalle vermissen wir den Lärm und das Gedränge der Touristen. Es fühlt sich an nach Nachsaison. Dann geht es im Taxi nach Chania. Es sind mehr als 12 km, die uns schließlich 25 Euro kosten. Das Hotel liegt auf einem Sandhügel, schräg geparkt zum Meer. Doch der Blick vom Balkon erreicht noch den Strand und die anbrandenden Wellen. 

Es wäre ein schöner wilder Sandstreifen, worauf Strandlilien und  Silberdisteln wachsen, wenn, ja wenn  sich darauf im Laufe der Jahre nicht eine Fülle  von Strandgut angesammelt hätte, das von Zigarettenstummel bis Großkanister aus Plastik reicht; und das in schöner Regelmäßigkeit über die ganze Fläche verteilt.

Wir schlendern zum nächsten Minimarkt und kaufen lebensnotwendige Vorräte ein: Wasser, Zigaretten, Kekse, Wein und Saft.

Am Abend essen wir in einem architektonisch großzügig entworfenen Speisesaal, dessen Einrichtung allerdings nach und nach der wachsenden Zahl der Touristen entsprechend angepasst wurde.Und das Ergebnis?  Etwas ermüdend in seiner Beschränktheit. Allerdings gibt der ständig laufende TV-Schirm keinen Laut von sich, was sich positiv auf die Gesamtatmosphäre auswirkt.

Wir essen irgendwelche gefüllte und überbackene Gemüse. Schmeckt gut, aber das Tzaziki als Vorspeise hätte  uns schon gereicht, wie so oft in Griechenland.

Die Nacht ist ruhig und wir – d.h. ich kann gut schlafen.

 

Donnerstag, 24. September

Der Morgen ist hell und sonnig und wir wandern zum Frühstück. Und das überrascht uns wirklich. Das Angebot reicht von kleiner Butter – wie gewohnt - über kleine Marmelade – wie gewohnt - über Zwieback, winzigem Toastbrot, zwei Keksen bis hin  zu zwei Scheiben Käse. Dazu wird Orangensaft gereicht und dünner Kaffee. Und das Ganze benennt sich kontinentales Frühstück. Hauptsache ein klingender Name, der an größere Zusammenhänge denken lässt, damit man die Kargheit des Frühstücks vergisst. Herbert mag Marmelade – ich nicht – damit hat er naturgemäß einen höheren Frühstücks- Zufriedenheitsgrad erreicht, als ich. Nach dem Frühstück starten wir los. Herbert als gewiefter Öffi - Benutzer macht an der Bus – Haltestelle ein kleine Menschenmenge aus und schließt daraus, dass wahrscheinlich sehr bald ein Bus zu erwarten sei. Eine freundliche Dame verweist uns auf den Minimarkt, wo wir Tickets bekommen könnten. Und tatsächlich bringt uns ein öffentlicher Bus ins Zentrum von Chania. Damit haben wir uns einen ziemlich sinnlosen Hatscher erspart…

In Chania wandern wir zunächst durch die Einkaufsmeile: Ledersachen, Kleidung und Gewürze und, und... Schließlich kaufe ich einen archäologischen Reiseführer und lasse die Ledersachen an ihren Stangen weiter baumeln.

Danach schlendern wir dem berühmten Hafen von Chania entlang, wo sich das touristische Leben voll entfaltet. Ein Cafe reiht sich an das andere – davor

Reihen von Sesseln, fußkranke Flaniernde zur Rast einladend. Mittendrin dämmert eine Moschee vor sich hin, die in sehr zartfühlender Weise zu einem Informationszentrum für Touristen umfunktioniert wurde.

Vor der Gebetsnische steht eine Lilie – davor drei Teelichter.

Späte Rache der esoterischen Geisteshaltung an der ernsten herben muslimischen Religion? Ich bin wirklich keine Freundin des Islam, aber es gibt Grenzen und vor allem die Forderung nach der Würdigung von fremden, wenn auch unverstandenen religiösen  Grundhaltungen.

 


Richtung Norden gewinnt das Hafenbecken ein ernsteres Gesicht. Hier ankern Fischerboote, kleine Frachter und ein Blick in die offenen venezianischen Werfthallen macht deutlich, dass hier intensiv gearbeitet wird.

 


Wir nehmen vor einem einfachen Cafe, das eindeutig von Einheimischen bevorzugt wird, Platz, rauchen und trinken Neskaffee und Portokalada(Limonade). Es ist kühl im Schatten und ich verfluche heimlich meine falsche Kleiderwahl in Erwartung von gewohnten südländischen Temperaturen.

Wir wandern wieder zurück und besuchen das archäologische Museum von Chania. Aufgestellt sind die Sachen in der ehemaligen Franziskanerkirche. Der Raum ist wunderschön und die minoischen Vasen und Figuren, die Särge und Krater aus Ton, passen wunderbar hierher.

 

 


Ich belehre Herbert, wie das meine Art ist und versuche meine Begeisterung an ihn weiterzugeben: meine Freude an den eleganten Formen, den einfachen, fast abstrakt zu bezeichnenden Mustern, die ihresgleichen suchen.

Eine Vitrine mit einer Vielzahl von Stieren aus Ton gefällt mir besonders und ich fotografiere heimlich ohne Blitz, obwohl das Fotografieren von unveröffentlichten Fundstücken verboten ist.

Eine Stimme aus dem Hintergrund verwarnt mich und ich zeige Reue. Doch es wird mir noch zweimal so passieren, weil ich aus lauter Begeisterung den Beipackzettel nicht lese oder nicht lesen will. Herbert „verarscht mich darob“ – aber ich habe meine Bilder im Kasten – mit Ermahnung oder auch ohne…

 


Die Marmorbüste eines jungen Mädchens aus hellenistischer Zeit berührt uns besonders warm. Es ist als ob sie lebte und ihre seelische Spannung auf uns lebendige Menschen übertragen möchte: ein Kunstwerk eben…


 

 

 

Besonders stark wirkt auch die ornamentale Gestaltung der Särge aus Ton  auf

uns, wo mit großem Schwung und einfacher Linienführung  die äußeren Formen eines Oktopus nachgezeichnet sind.

 


 

Amphoren in Vogelgestalt erweisen sich als eine weitere Besonderheit der Sammlung, da ich Ähnliches in anderen Museen noch nicht zu Gesicht bekommen habe.

 

 


Später besuchen wir noch die Kathedrale von Chania. Ein großer Bau, dessen Apsisfresken den Einfluss von venezianischer Malerei verraten –abgeschlossen mit einer alten Ikonostas mit abgeküssten Bildern, die eine besondere Verehrung der „Aufopferung Jesu im Tempel“ nahe legen. Insgesamt wirkt der Raum aber eher kalt und abweisend.

Wir essen, nach langem Suchen und unter Vermeidung der teuren Restaurants in einer Psistaria Gyros und ich trinke mein erstes griechisches  Bier. Später organisieren wir uns ein Auto für die kommenden Tage. Wir pilgern mit dem Bus zurück und verbringen die Abendstunden am Strand. Es ist kalt und keiner von uns traut sich ins Wasser.

 Kleines Abendessen, dann ins Bett. Doch diesmal wird es hart für mich. Über uns wird “tapeziert“ und dazu die Möbel gerückt. Ich werde immer wieder aufgeweckt und schlafe erst spät ein.

 

Freitag, 25. September

 

Nach unserem frugalen Frühstück lassen wir unser Gepäck in der hoteleigenen Telefonzelle, die niemand mehr braucht und machen uns per Bus auf, nach dem

Kentron von Chania und holen uns den kleinen Wagen, der für die nächsten Tage unser Begleiter sein wird. Zurück zum Hotel, Gepäck abholen, dann wieder zurück in Richtung Halbinsel Akrotiri.

Auf Akrotiri besuchen wir zuerst das Kloster Agia Triada.

Es wurde im 17. Jh. Von zwei venezianischen, zum orthodoxen Glauben konvertierten Mönchen  aus der Familie Zangarola gegründert. Die Kirche der Hl. Dreifaltigkeit befindet sich in der Mitte der Klosteranlage und hat zwei Seitenkapellen, die der Zoodochos Pigi, der Muttergottes als Lebensquelle, bzw. dem Hl. Johannes, dem Theologen geweiht sind. Es handelt sich um Kreuzkuppelkirchen, deren Fassade von der venezianischen Baukunst beeinflusst ist. Der hohe, die Anlage beherrschende Glockenturm wurde 1864 errichtet. Im 19. Jh. bestand eine theologische Schule im Kloster.

 



 

 

 

 

 

Was im Führer nicht beschreiben wird, ist das kleine angeschlossene Museum, das wahre Schätze beherbergt. Orthodoxe Klöster sind nicht sehr offen gegenüber den Bedürfnissen der Besucher, wenn es um ihre schriftlichen Schätze geht. Hier liegen sie aber herum- die alten handgeschriebenen Evangeliare und liturgischen Texte - und ich kann mich kaum losreißen davon.

Einzelne Ikonen sind so leuchtend und tief, dass ich nur betend davor stehen möchte, die Zeit und alles andere vergessend.

Die bestickten Messgewänder sind mir ein bisschen zu prunkvoll geraten, daher halte ich mich lieber an die zart geschnitzten Brust oder Dekorationskreuze, die etwa handgroß, einfach Wunderwerke von kunstfertiger Handarbeit sind.

Hätte gern so ein kleines Kreuz – würde auch vorm Nachtkastel vor ihm beten, während die Kreuze hier nur angestaunt und am Abend weggesperrt werden. Aber so ist das Leben…

Wir fahren weiter zum Kloster Gouverneto.

 

1548 gegründet und immer wieder umgebaut, liegt es in der einsamen Berglandschaft, wie eine Burg. Der Klosterhof zeigt an den Wänden und Säulenbasen reiche Steinmetzarbeit. Die Fassade ist im Renaissancestil gehalten. Das Kloster besitzt wertvolle Ikonen und eine reichhaltige Bibliothek.

Das Kloster, von dem aus die Mönche oft als Rebellen, z.B. gegen die türkische Fremdherrschaft, auftraten, fällt durch seinen festungsartigen Charakter auf.

 

 

 


 

Der festungsartige Charakter ist alles, was wir als Eindruck mitnehmen können,

weil das  Kloster für uns  geschlossen bleibt: fünf Stunden Siesta für die Mönche? – Aber was kann man da machen! Die Mönche wollen auch einmal unter sich sein….

 

Wir wandern weiter leicht bergab mit etwas unpassendem Schuhwerk, aber sehr geduldig und erreichen schließlich die Panhagia Höhle, die ursprünglich der Artemis geweiht war, und zwar in der Gestalt einer Bärin.

Ein riesiger Stalagmit, weiß gekalkt, dominiert das Innere der Höhle und bewacht ein Becken mit frischem Quellwasser, dem heilende Kraft zugeschrieben wird. Bei ruhiger Betrachtung werden im Raum rundum immer neue Formen von Stalagmiten sichtbar, die wie treue Wächter die Göttin begleiten.

 


 

Die kleine Marienkapelle am Höhleneingang, erweist sich gegenüber der Kraft und Präsenz der von der Natur geformten Szenerie relativ unscheinbar. Und dennoch spürt man in dem Raum eine durchgeistigte Atmosphäre, die kaum von den archaischen Opfern für die Artemis herrühren kann, sondern vielmehr von den Gebeten der Einsiedler, die hier zu ihren heiligen Handlungen zusammen kamen. Nach dem Verlassen der Grotte bemühen wir uns rauchend und plaudernd mit dem Erlebnis fertig zu werden, bevor wir uns weiter auf den Weg machen hinunter  zur Höhlenkirche Agios Ioannis/Katholiko. Auf einem sich absenkenden Weg gelangen wir immer tiefer in eine enge Schlucht, wo bis ins 18.Jahrhundert Eremiten in ihren  Höhlen hausten. Die dazugehörige Höhlenkirche ist unser Ziel.

Diese wird  abgeschlossen von einer barocken venezianischen Portalwand und zwei Glockentürmen. Nachdem die Mönche immer wieder von Piraten überfallen worden waren, zogen sie sich vollständig in das Kloster Gouverneto zurück.

 


 

An der Umgebung der Höhlenkirche zeigt Kreta wieder, was es kann: steile Felshänge, dazwischen kräftiges Grün, hellgraue bizarre Felsformen und dazwischen zarte sich neigende Rispen von Gras und Kräutern. Darüber hinaus gewährt die Schlucht einen eindrucksvollen Ausblick zu einem einsamen Felsstrand, wo das Meer Tag für Tag und Jahr für Jahr anbrandet und seine weißen Schaumkronen in der sanft gerundeten Bucht zur Ruhe bringt.

Komik am Rande: eine deutsche Besucherin will es genau wissen und hebt eine Olgläschen aus der Öllampe vor der Ikonostas, um zu prüfen, was drinnen ist. Einer der deutschen Besucher macht sich als Wächter verdient, indem er beweist, dass er den Mechanismus der Türöffnung durchschaut hat.

Herbert erinnert sich an einen Königsausspruch von Dorfer und meint lakonisch beim Hinaufgehen der Treppen: „Das einzig Gute an uns Österreichern im Vergleich zu den Deutschen ist – wir sind weniger……“

Noch ein kurzer Besuch in der Höhle und danach fahren wir dahin, Richtung Westen. Zunächst geht es über Stock und Stein - d.h. über eine enge schmale Straße, die sich am alten Eselspfad entlang windet. Nur selten begegnet uns ein Fahrzeug und das ist gut so, weil Herbert dahinfegt – ganz eins mit seinem kleinen Boliden, der seine ganze Konzentration verbraucht.

Gleichzeitig  überlegen wir, ob wir seiner Großmutter nicht ein Schockvideo von unserer Fahrt übersenden sollten – aber dazu fehlen uns die Mittel ---

Schließlich gewinnen wir eine ruhigere Straßenführung und die National Road: Wie und unter welchen Umständen wir dort ankommen, darüber soll der Mantel des Schweigens gebreitet werden - das gehört zur Gegenwartsgeschichte Griechenlands.

Der kleine Bolide bringt unter Herberts Anleitung eine beachtliche Geschwindigkeit auf die Piste und wir kommen schnell voran. Auch haben wir die Entfernungen überschätzt und sind sehr bald in Platanos und in der Nähe von Falasarna, wo wir zu bleiben gedenken.

Wir finden ein Strassenrestaurant, das am Spätnachmittag noch Essen serviert. Wir essen gut und griechisch und beim Bezahlen bitte ich den Wirt um eine Adresse am Strand, wo wir einige Tage bleiben könnten. Er drückt uns zwei Visitenkarten in die Hand und später sind wir glückliche Mieter eines zwei Zimmer Appartements mit riesigem Balkon. Vor uns hohe Bäume und ein Ausblick, der einfach umwerfend ist- Hügel, Olivenfelder, vor uns das Meer, der Himmel…Und jetzt fällt auch

Herberts legendärer Satz: „Nur hier druck ich die Bachmann durch!“

Am Abend sitzen wir plaudernd auf der Terrasse und sind einfach nur glücklich…

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag, 26.September

 

Morgendliches Frühstück auf der Terrasse. Herbert Kakao, ich alles Mögliche, angefangen von „Yaourti“ mit Honig bis hin zu Keksen. Dann wandern wir hinunter an den Strand - über Dünen und rostige Zaungitter. Aber unten ist es gemütlich, weil wir zwischen den Dünen auch ein wenig Schatten finden. Ich brauche ihn – den Schatten – aber nicht wirklich.  Es ist windig und nicht wirklich heiß. Daher entstehen kleine Wellen, die  uns zum Spielen einladen.

Später gibt es Eis und Toast in der Strandbude. Herbert hat ein besonderes Schattenplatzerl entdeckt,  eine aus Schilf geformtes viereckiges Zelt, wo der Strandmist auch noch untergekommen ist.

 

Am Abend speisen wir wieder bei Zaharias.

Üppigst! Obwohl Herbert immer wieder betont, es sei kein schweres Essen gewesen, kann ich mich kaum rühren und hoffe nur, dass ich bald wieder gleichmäßig atmen kann.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 27. September 2009

 

Am Sonntag beginnen wir unsere Reise in Platanos, Richtung Süden. Der Blick auf die Bucht und das Tal mit seinen Olivenbäumen und den vielen Gewächshäusern ist eindrucksvoll, ebenso wie die Bucht von Falasarna. Hier merkt man, dass Kreta noch über eine tragfähige Landwirtschaft verfügt und dem Tourismus nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.

 


 Herbert wird zum Kurvenmeister und es ist auch gut so, weil die ganze Strecke entweder an der zerklüfteten Küste entlang führt oder sich auf Hügel empor windet. Die Landschaft wechselt, wie es hier der Brauch ist, alle hundert Meter. Dürre kahle Hänge, die den Knochenbau der Hügel erkennen lassen, wechseln mit fruchtbaren Tälern, wo die Olivenbäume in Reih und Glied gepflanzt sind. Dazwischen wieder Hartholzwäldchen, die sich an die steilen Felswände klammern. Zumeist ist die vorbeiziehende Landschaft  von grüner Farbe geprägt, nicht sowie am Festland Griechenland, wo im Sommer und Herbst die Ocker  - und Brauntöne vorherrschen.

 

 

 

 

 

 

 

 


 


Die Straßen sind, wie erwartet, schmal und winden sich bis in den Talschluß. Es gibt keine abkürzenden Brücken, aber manchmal Straßenstücke mit doppelter Sperrlinie. Diese beginnen und enden ohne ersichtliche Motivation. Vielleicht ist Farbe irgendwo übrig geblieben oder mittendrin ausgegangen? Wer kann es wissen?


 

 

 

Auch scheinen die Schilder, die unsere Fahrgeschwindigkeit regeln sollten, aus einem Haufen von überflüssigen Tafeln hervorgezogen zu sein, wenn auf geraden Straßenstücken plötzlich ein Begrenzung von 40 km wie eine Fata Morgana auftaucht. Das Ende von Geschwindigkeitsbegrenzungen wird, wenn überhaupt, nur an den ganz großen Straßen angezeigt. Allerdings gibt es nur sehr selten große Schlaglöcher, wenn aber, dann werden die kleinen Räder unseres Autos nahezu verschluckt. Doch Herbert begegnet den Mißhelligkeiten der Kreta-Rally – 1. Etappe – mit Bravour. Langsam senkt sich die Straße und wir finden uns im Küstenbereich wieder.

Unser Ziel ist das Kloster Chryssoskalitissa. Das Kloster ist der Muttergottes und der Dreifaltigkeit geweiht. Der steile Felsvorsprung, worauf die Kirche gebaut ist, ragt wie ein Daumen in das Meer, rings umgeben von rauen schwarzen Felsbrocken, die das Meer löchrig ausgewaschen hat und nach wie vor mit Geduld und Kraft daran anbrandet. Es ist ein wunderschönes Bild: die weißgekalkten Klostermauern und darunter das dunkelblaue Wasser der umgebenden Bucht.

 

 



 

In der Kirche finden wir  das heilige Bild, das zur Gründung des Klosters geführt hat und ursprünglich von einem Bauern gefunden wurde, weil er durch ein Licht darauf aufmerksam geworden war. Es ist zweifellos eine alte Ikone, die durch Wind und Wetter gegerbt ist. Das Brett ist in der Mitte durchgebrochen und oben und unten am Rand beschädigt. Das Gesicht und die Gestalt von Jesus sind nahezu unsichtbar geworden. Doch bestechen die blauen Engel links und rechts von der Christusgestalt durch ihre originelle und klare Zeichnung. Auch verraten die Köpfe der Apostel am linken Bildrand einen Meister seines Faches, und zwar ebenso, wie die meisterliche Gestaltung des Horizontes, der durch eine perspektivisch gerundete Stadt nach oben abgeschlossen wird. Es ist eine Ikone ganz auf der Höhe der Tradition – so wird z.B. Maria im strengen faltenlosen  byzantinischen Stil quer zur Bildmitte gelagert -  und von großer künstlerischer Kraft. Das Innere der Klosterkirche entstammt dem 19. oder besser noch dem 20.Jh. Es ist eine Kirche ohne die üblichen Wandmalereien, die nach dem 15.Jh. entstanden, ohnehin nur ambivalente Gefühle erwecken können.

 


Auch draußen in der einfachen Umgebung, vor den Wohn - und Arbeitsräumen,  weht ein guter Wind. Das Museum des  Klosters beherbergt  eine alte Mönchszelle, deren Wände  viele, viele Heiligenbilder schmücken,  so als wollte der Mönch den ganzen Himmel zu sich einladen….

 

 

Ein klein winziges Volkskundemuseum brachte uns die alten Arbeitsgegenstände wieder einmal näher. Und darüber hinaus die Zeit der Türkenbesetzung, wo die Kinder die griechische Sprache  nur in Geheimschulen, wie hier im Kloster in einem winzigen fensterlosen Raum, lernen konnten.

 

 

Wir fahren weiter in Richtung Elafonisi – ein Strand, der in vielen Fremdenverkehrs-prospekten das Cover ziert. Das Meer präsentiert Farbspiele, wie in der Karibik – sanfte Wellen und VIELE LEUTE. Letzteres steht in den Prospekten nicht!

Wir kommen an und ein Bus kommt uns entgegen – und das nach der Klostereinsamkeit. Doch es gibt Kaffee und Käseplunder – was schon einmal den ärgsten Hunger stillt. Dann mieten wir uns einen Platz am Meer.

Es sind nicht wirklich viele Leute da, aber mir reicht es. Am liebsten wäre ich gleich wieder auf und davon. Doch Herbert genießt den Anblick der wunderschönen Bucht und schließlich lasse ich mich auch durch die leisen Wellen, die warme angenehme Luft und die Schönheit der Wasserspiele bezaubern…

 


Später – Herbert hat keine Eile, weil die schwierigen Straßenverhältnisse ihn eher faszinieren, denn abschrecken – fahren wir Richtung Norden unserem windigen Falasarna zu. Unterwegs möchte ich eine kleine Kirche aufsuchen, doch sind wir mit den Richtungspfeilen noch nicht so vertraut, dass wir sie auch tatsächlich finden. Anstelle des „Naos Panteleimon“ finden wir eine wunderbare natürlich entstandene Grotte. Völlig unerwartet eröffnet sich uns eine Pflanzenwelt, die nur als Ergebnis von ausreichendem, ständig fließendem Wasser und Hitze entstehen konnte. Das Pflanzengewirr das den Felsen in Schichten umfasst, die unterschiedlichen Grüntöne, die den Kaskaden der Blätter Struktur und Form verleihen, die unnachahmlichen Düfte der unbekannten Blüten berühren und bezaubern uns.

Unbekanntes Kreta, wie steckst du voller Überraschungen!

 


 

Wir fahren weiter und landen schließlich auf dem windigen Eiland Falasarna,  bei „Anastasia und Stathos“, wo wir in Decken eingehüllt Bauernsalat essen und plaudern…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Montag, 28.September

 

Wir brechen nach unserem frugalen Frühstück auf und fahren Richtung Moni Gonias auf der Halbinsel Rodopu.

Im Norden des Dorfes Kolimvari liegt Moni Gurnias, ein mächtiger Klosterbau mit einem schönen Blick über die Bucht von Chania. 1618 erbaut, wurde es vielfach zerstört und wieder aufgebaut. Besonders sehenswert sind die Barockportale des Klosters. Die Klosterkirche enthält eine Sammlung wertvoller Ikonen aus der Zeit des 16. bis 18 Jh.: „DieKreuzigung“ von Kontantinos  Palaiokopos (1637) und eine „Nikolausikone“, sowie die Bilder von Dem. Seguros von 1682: „Ecce Homo“ und „ die Geburt Jesu“. Heute ist das Kloster Sitz der Griechisch Orthodoxen Akademie von Kreta.

 


Massiv und beeindruckend liegt sie da die mächtige Klosteranlage – auf einem Hügel, der sich direkt aus dem felsigen Strand erhebt und von den weißen Schaumkronen der anbrandenden Wellen umspült wird. Alles ist so, wie im Führer beschrieben. Und dennoch – herrscht hier keine gesammelte Atmosphäre. Eine Gruppe von vermeintlichen Arbeitern, zumeist in Tarnhosen gekleidet, lahnt herum, während einer von ihnen, ziellos das Weite sucht, das aber auf Grund der begrenzenden Klostermauern nicht möglich ist. Schließlich treffen wir ihn im Pfortenzimmer, wo ein Alibimönch Schriftstücke bewegt und ein „eingeraucht wirkender “ junger Mann „ Obliegenheiten“ erfüllt, die nicht klar erkennbar sind. Er scheint zwar für die Besucher „da“ zu sein, gibt aber nur unwillig unverständliche Antworten.

Wir eilen hinweg von dem ungastlichen Ort und fahren eine zunächst die breit angelegte Chaussee entlang, die uns weiter in das Inselinnere führt. Doch die Freude hält nicht lange an, weil sich die Straße bald wieder verjüngt und zu einem asphaltierten Eselspfad mutiert.

 

 

In Afrata dem nördlichst gelegenen Ort von Rodopos angekommen, kann es Herbert nicht lassen, die schmale zur Küste abwärts führende Straße unter die Räder zu nehmen, um zielstrebig und schnell den Strandabschnitt von Afrata zu gewinnen. Hindernisse, wie entgegen - kommende Autos werden bravourös gemeistert (Rückwärtsfahrt über mehr als 100 Meter). Unten angekommen wird unsere Fahrt durch den Anblick einer kleinen vom Meer umspülten Bucht belohnt. Hier wäre gut sein, wenn der Wind nicht so mächtig heranwehte…

 

 


 


 


 

Dennoch freut sich die Seele an dem wunderschönen Bild, das die Küste Kretas immer wieder bereithält.

 


Später fahren wir Richtung Süden und gewinnen den Eindruck, dass auf dieser Halbinsel die Zweitwohnsitze der reichen Kreter gebaut wurden – weil die Anlagen rund um die schönen Häuser so großzügig und schön gestaltet sind, was nur unter Einsatz von viel Geld und dienstbaren Geistern möglich erscheint. Die Landschaft besticht wieder durch die gleichmäßige Anlage von endlos erscheinenden Olivenhainen, woraus das Olivenöl für ganz Europa gepresst werden könnte….

In Kolobari bekomme ich endlich meinen verdienten Kaffee. Danach plündern wir den nachbarlichen Souvenirshop. Herbert kauft einen „Alexis Sorbas“ in Deutsch. Beide nehmen wir Ansichtskarten mit, in der unbegründeten Hoffnung, dass eines Tages eine Schreibassistenz das Schreiben erledigen werde.

Daraufhin beschließen wir den Soldatenfriedhof von Maleme zu besuchen. Dies  gelingt uns erst nach einigen Umwegen, weil in Kreta die Hinweistafeln im Normalfall unmittelbar vor den Abzweigungen angebracht sind. Jetzt wissen wir schon Bescheid über diese Gewohnheit. Der Soldatenfriedhof beherbergt über 4000 Gräber, wo die Gefallenen  deutschen Soldaten zur letzten Ruhe gebettet wurden. Mehr als 400 Gefallene konnten nicht gefunden werden. Ebenso konnten  die Gebeine von 300 Gefallenen nicht identifiziert werden.

Die Anlage besticht durch ihre Schlichtheit und Eindringlichkeit, wo Reihe für Reihe mit Marmortafeln versehen ist, worunter jeweils zwei Gefallene ihre letzte Ruhe fanden. Im Durchschnitt waren die Soldaten um die 20 Jahre alt – eine Tatsache, die mich erschüttert und mit Wut und Trauer erfüllt: so viel Hoffnungen, soviel Leben zerstört und soviel Leid angerichtet, als Ergebnis von einer völlig „verrückten“ Führungsequite, die in einem bestimmten geschichtlichen Zeitraum Macht zugespielt bekam, um ihre wahnsinnigen Träume zu verwirklichen.

 

Herbert und ich wandern getrennte Wege – jeder für sich – Erlebnisse wie der Besuch dieses

Friedhofes lassen sich kaum teilen. Erst viel später werden wir Worte finden, um unsere

Eindrücke ein wenig zu sammeln.

 


 

Um uns zu fangen wandern wir ein wenig in die Olivengärten hinein und erfreuen uns am Blick hinunter ans Meer, wo heute noch der Militärflughafen von Kreta stationiert ist. Gut gewählt der Platz – der Soldatenfriedhof im Angesicht des Militärflugplatzes. Dazu fällt uns nur das Lied von Reinhard Mey ein: „Nein, meine Söhne gebe ich nicht…“

 

 

Am Weg zurück zur National Road entdeckt Herbert den Pfeil zu einem Minoischen Grab. Und hier in der vertrauten Umgebung des Kuppelgrabes - in Mykene gibt es eine Reihe davon - beginnt der Druck auf unser Gemüt ein wenig nachzulassen.

 

 

Dreiecksraum über dem Türsturz

Eingangsgraben zum Grab

 

Das Eingangstor

Herbert auf der Suche nach Grabbeigaben


 

Angestachelt von den Beschreibungen im Kreta- Führer von Knaurs beschließen wir Kurs auf eine kleine Byzantinische Kirche bei Voulgaro zu nehmen. Wir folgen den  genauen Anweisungen des Textes und landen schließlich in Anachorio, wo die Straße zu Ende ist. Ich frage einen albanischen Gastarbeiter, doch der verweist mich auf die Einheimischen, die in der Nähe Oliven pflücken. Zunächst starren sie mich ganz ungläubig an und wissen nicht, was mit mir anfangen, aber bald erklären sie, dass die gesuchte Kirche, im nächsten Tal zu finden ist. Fluchend auf den Führer fahren wir die gewundene schmale Straße zurück bis zum Hauptort, wo ein deutlicher Wegweiser die richtige Richtung anzeigt. Unterwegs sehen wir einen tätigen Meiler, wo Olivenholz zu Holzkohle verarbeitet wird.

 

Meiler im Betrieb

Vorbereitete Meiler

 

Oben begrüßt uns eine große weiße Kirche, aber sie ist nicht die Gesuchte. Erst nach einem 20 -minütigen Aufstieg liegt sie vor uns die Agios Nikolaos – das Ziel meiner, besser unserer Sehnsucht und sie ist tatsächlich offen. Mit einem Gefühl von  Dankbarkeit und Faszination stehen wir in dem bemalten Raum und ich kann mich am Anfang vor Begeisterung kaum fassen. Es sind wunderbar erhaltene Szenen –zum Teil in der Gestaltung ein wenig fremd. Doch gelingt es mir alle Bilder zu deuten. Außerdem freue ich mich auf die Vergrößerungen am Computer daheim, wo die Szenen nach einer gewissen Bearbeitung vielleicht noch deutlicher hervortreten könnten.

 


Agios Nikolaos von außen

 



 

 Jesus heilt einen Blinden

Nikolaus rettet drei unschuldigen Kaufleuten das Leben

  Engel der Verkündigung

 

Mit dieser Nikolauskirche, deren Fresken aus dem 12. und 13.Jh. stammen und sehr gut erhaltenen sind, beginnt sie, unsere Jagd nach den bemalten Kirchlein, die uns noch manches Abenteuer schenken wird….

Wir fahren zurück - glücklich über unseren ersten Fund - und essen bei Zaharias, wieder zu viel und zu gut.

Danach wandern wir in Richtung zu den Ausgrabungen nach Falasarna. Die Entfernung wandelt sich je nach Blickrichtung und wir hatschen und hatschen. Schließlich finden wir   am Ende der Halbinsel das Ruinenfeld. Absperrbänder um kleinere Grabungen verraten, dass hier noch gearbeitet wird. Der Kiosk für den Wärter der Anlage wirkt allerdings schon lange unbenützt. Glückliches Kreta, glückliches Griechenland, das mit seinen unzähligen antiken Plätzen so achtlos umgehen kann.

Wir wandern in dem Areal herum und entdecken die Grundfesten von Umfassungsmauern, eine Badeanstalt, antike Kaiaufbauten, wo die Schiffe vertäut wurden und die Grundfesten eines Hafenturmes. Doch im Augenblick ist es nicht klar, dass es sich darum handelt und es berührt mich  unheimlich diese merkwürdigen Grundmauern und das danebenliegende Wasserbecken…

 

U

Grundmauer das Hafenturmes

 

Wir verlassen langsam das Gelände und wandern wieder zurück, während die untergehende Sonne  blaue Strahlen ans Firmament schickt.

 

 


 


Dem merkwürdigen Steinsessel am Weg – einer Bema - schenken wir nur einen kurzen Blick, weil wir eigentlich nur ganz schnell zurück wollen zum Auto und zu unserer windumtosten Terrasse.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 30.September 2009

 

Einpacken, zahlen, Auto beladen und weiter geht es Richtung Kissamos oder Kastelli. Im Auto studiere ich noch den Führer, wo darauf hingewiesen wird, dass 1965 die Figur eines jugendlichen Satyr gefunden wurde, die ein hellenistisches Meisterwerk darstellt. Also nichts wie hin. Herbert ist damit einverstanden, aber vorher gibt es noch Kaffee und Orangensaft.

Im Museum angekommen muss die Direktrice sofort erkannt haben, dass ich auf verbotene Fotos aus bin. Sie folgt uns daher auf Schritt und Tritt. Als sie einmal den Raum verlässt, möchte ich schon meinen Fotoapparat zücken, aber Herbert hindert mich daran. So bleibt alles nur in unseren Köpfen aufbewahrt, was ich so gern aufs Bild bannen wollte.

Wir fahren weiter zu unserem

Voller Freude bemerke ich, dass durch eine archäologische Dokumentation alle Fragen, Falarsana betreffend,  hier beantwortet werden. Das Ausgrabungsgelände umfasste einen römischen Hafen, der durch ein Erdbeben verlandete. Die unheimlichen Gundfesten gehörten zu einem Festungsturm, der sich an der Südseite des Hafens erhob. Alle anderen Gebäudereste hatte ich schon am Vortag richtig zugeordnet.

Das Museum war klein und sehr fein geordnet. Grabbeigaben aus minoischer Zeit, aber mehr noch aus hellenistischer Zeit, waren hier ausgestellt. Die bekannten klassischen rotfigurigen Vasen, eher flüchtig und nachlässig bemalt, dokumentieren den regen Warenaustausch  mit dem Festland-Griechenland. Darunter finden sich aber immer wieder schwarze Amphoren mit Reliefsmedaillons, die wichtige mythologische Szenen abbilden. Diese kleinen fein gestalteten Medaillons scheinen  einheimische Künstler geschaffen zu haben, weil die feine Hand der minoischen Künstler schon in den Siegeln der Frühzeit deutlich sichtbar wurde.

Der Satyr ist wunderschön und als Kunstwerk halb idealisiert und halb naturalistisch gestaltet – ein Werk voll Kraft und Energie und zudem wunderschön. Im Wesentlichen gilt das auch für die andern Plastiken, die hier aufgestellt sind. Ein junger männlicher Torso steht hier, wo aus der Spannung des Rückens die klassische Haltung - Spiel-  und Standbein abzulesen ist- einfach zum Verlieben - und ein Torso von Kaiser Hadrian im Waffenschmuck,  der noch alle Züge hellenistischer Bildhauerkunst erkennen lässt…

 

Im Oberstock erstreckt sich ein  beeindruckendes römisches Mosaik: eine Jagdszenerie, die sehr gut komponiert ist. Das Herz bleibt beim Ansehen unberührt, aber es ist eine gekonnte Arbeit. Originell und erfrischend berührt uns das  zweite Mosaik, wo  in einem Bildzusammenhang die mythologischen und realen Jahreszeiten dargestellt sind. Es braucht nicht extra erwähnt zu werden, dass mir die Kustodin auch hierher gefolgt ist.

Wir fahren weiter Richtung Süden, Richtung Paleochora.  Unterwegs  erwarten uns einige byzantinische Kostbarkeiten und wir freuen uns darauf. In Floria gibt es keine Hinweistafel und auch keine sichtbare Kirchen, sodass wir einfach weiterfahren müssen. Als aber der Richtungspfeil nach Trachiniakos auftaucht, gibt es kein Halten mehr und Herbert taucht ab in das Labyrinth von Olivengärten und eingestreuten Häusern. Wir fahren dahin und glauben schon wieder vergeblich unterwegs zu sein, als plötzlich ein brauner Wegweiser den Naos Agios Joannis ankündigt. Wir folgen dem Pfeil und finden sie die kleine Kirche mit den Fresken aus dem 14.Jh. Wir sind glücklich hier zu sein und essen unsere mitgebrachten  Blätterteigtaschen, bevor wir das kleine Heiligtum betreten. Die Apsiskonche ist hier mit einer thronenden Muttergottes geschmückt. Die Wände tragen Bilder, nach ähnlichem Muster, wie in Mouri.

 


                        Muttergottes in der Apsis

 


Aufopferung im Tempel


Christi Verklärung


Erzengel


Hl. Nikolaus

 

 

 


          Detail aus der Himmelfahrt

 

Wir verlassen die Kirche, die neben einem wunderschönen Olivenhain gelegen ist und  fahren die Straße einfach weiter. Kurz darauf stoßen wir auf die Bundesstraße, wo ein rückwärts gewandter Richtungspfeil auf die Johanneskirche hinweist! D. h. wieder einmal Zeit und Kraft auf überflüssigen Anfahrtsweg verschwendet.

In der Nähe von Kantanas foppt uns ein Richtungspfeil zum Naos Hagia Kyriaki. Zuerst fährt Herbert weit hinauf durch enge Fahrwege bis zu einem einsam gelegenen Gehöft. Dort drehen wir um, weil es irgendwie nicht  weiter zugehen scheint. Wir suchen die Kirche weiter unten – aber erfolglos.

Später erfahren wir durch zwei Einheimische, dass die Kirche doch oben liegt.

Inzwischen besuchen wir den  Naos Agia Anna, ein Kirchlein mit rudimentär erhaltenen Fresken. Wir beschließen nach Paleochora weiterzufahren, und dann passiert es, dass Herbert noch einmal zur Hagia Kyriaki unerwartet einbiegt und diesmal sind wir erfolgreich und werden reich belohnt. Nur 100 Meter hinter der Stelle, wo wir umgedreht haben, erstreckt sich der Friedhof und mittendrin die gesuchte Kirche. Der Freskenzyklus ist teilweise gut erhalten und ich fotografiere, so gut es eben geht.

 


Aufopferung im Tempel

 

 

 

Es ist ein anderer Malstil, den diese Fresken auszeichnen. Die Kirche wurde im 15. Jh. ausgemalt und sichtlich von lockerer Hand.

 


       Verklärung

 

Später trinken wir Kaffee und Orangensaft im dörflichen Zentrum. Vor uns eine Gruppe Würfelspieler. Neben uns junge Zeitungsleser. Dazwischen zwei Männer , die steifgefrorene Hammel in den Kofferraum eines PKW laden.


 

 

 

 

Donnerstag, 1.Oktober

 

Paleochora – Badetag.

 

 


 

 

 

Freitag, 2. Oktober 2009

 

Wir brechen früh auf und wollen die Umgebung von Paleochora erkunden. Wir nehmen eine Seitenstrasse Richtung Anidri und von dort weiter nach Prodromi.

In Prodromi sollten vier byzantinische Kirchlein sein, aber wir finden mit Mühe und Not nur eine. Unter Bäumen verborgene Kapellen soll es geben, Dorfkirchen, die bemalt sind. Aber es gibt keine Dorfkirche oder das Dorf gibt es nicht. Wir finden nur eine neuerbaute Kirche, deren Ikonenwand noch den Charakter eines gläubigen Meisters verrät.

 


Von oben und im Rückblick versuchen wir eine Abzweigung auszumachen, die zu einer Kirche führen könnte, doch vergeblich. Dennoch wagen wir es und Herbert jagt unseren Boliden einen Jeepweg hinauf, wovor ein Schild: Einfahrt verboten! prangt. Aber um Schilder und ihre Bedeutung kümmert sich hier ohnehin niemand, warum sollen wir das tun? Herbert fährt hinauf und oben erhebt sich über den Gräbern (Friedhof ist immer eine gute Adresse, wenn es um Kirchlein geht!) ein lang gestrecktes Gebäude von gediegenem Aussehen. Doch innen drinnen sind die Fresken der Kirche nahezu zerstört. Ich kann nicht fotografieren. Und  es tut weh, den Verfall und die Preisgabe so unmittelbar vor mir zu sehen. Doch die umgebende Landschaft entschädigt uns für diese Enttäuschung. Mächtige Olivenbäume wachsen auf Terrassen, die sich scheinbar in die Unendlichkeit ausdehnen.

 


Wir bewegen uns langsam und vorsichtig die enge Sandpiste zurück, weil die Einbahn keinen Ausgang hat und fahren weiter. Und jetzt wird uns eine gut erhaltene bemalte Kirche geschenkt. Sie steht unterwegs so einfach neben der Straße und ist der Mutter Gottes geweiht. Ich freue mich und fotografiere, um den künstlerischen Eindruck festzuhalten.

 


                    Aufopferung Jesu im Tempel

 

Weiter geht es in Richtung Ikaraki. Dort sollen antike Ausgrabungen zu sehen sein. Der Pfeil zeigt nach oben, aber nach zwei Windungen ist plötzlich die Straße mit den allgegenwärtigen Gittern abgesperrt. Wir fahren fluchend zurück und  besuchen die Kirche Soter Christi.

 

 

Es ist ein rührend kleiner Zentralbau, woran ein Nartex (Langhaus) angeschlossen ist. Im Nartex finden wir noch einige Freskenreste aus dem 13. Jh. Besonders schön ist das Kreuz der Ikonostase, das in Licht getaucht, uns feierlich begrüßt.

 


Was uns immer wieder auffällt, ist auch wieder hierzu spüren: der wunderbare Zauber des Ortes. Riesige Ölbäume beschatten den Platz und dazwischen ist der himmlische Friede fast zu greifen…

 

          

 

Wir fahren durch die Berge, durch abwechslungsreiche Landschaft und kommen in Sougia an den Strand. In einer der zahlreichen modernen Strandcafes trinken wir Kakao und Kaffee und essen dünne Crepes, gefüllt mit Yogurt, Nüssen und Honig. Es schmeckt einfach himmlisch und ich bin durch die Schönheit der Bucht animiert den Herbert zu sekkieren, dass er im Stil von japanischen Haikus dichten solle .Ich versuche es auch, aber nur mit geringem Erfolg. Wir lachen und dichten und es kommt nicht wirklich was zu Stande... Wieder zu Hause schaut Herbert nach und bemerkt, dass Haikus im Rhythmus 7-5-7 gedichtet sind, also ist es nichts mit unseren Kurzhaikus.


Dann versuchen wir die Bodenmosaike in der hiesigen Hauptkirche zu sehen, aber leider zugesperrt. Später suchen wir nach der kleinen Zentralkuppelkirche Agia Irini. Finden sie  nicht und fürchten schon, dass sie zugunsten des neuen Bootshafen  abgerissen wurde. Doch erfahren wir am nächsten Tag, dass wir sie an der falschen Stelle gesucht haben, nämlich im Schluchtweg nach Lissos, während sie weiter oben am Berghang liegt.

Die Einstiegsstelle in den Fußweg nach Lissos ist von überwältigender Schönheit und wir sind  traurig wieder umkehren zu müssen, weil wir Anderes vorhaben.

 


 

 

Wir verlassen Sougia und fahren in Richtung Anisaraki. Und hier dürfen wir Kirchen sammeln, ohne langwierige und schwierige Anfahrtswege. Die erste Kirche ist der Panhagia geweiht -  d.h. der Thronenden Muttergottes.

 


                Ungeklärte Szene(wahrscheinlich eine Szene aus der Apokalypse des Johannes)

 


                           Christi Himmelfahrt

 


              Szenen aus dem Marienleben

 

Hinter dieser Kirche ragt auf der nächsten Stufe die Agios Georgios Kirche auf, deren Pantokrator in der Apsis uns eher erschreckt, als begeistert.

 


 

Die Agia Anna Kirche liegt in einem Olivenhain, unbeschreiblich vom Ambiente und trägt innen einen Freskenschmuck, der uns umwirft. Meisterlich hat es der Freskenmaler verstanden die Muttergottes, als Himmelskönigin, aber auch gleichzeitig als gütige Mutter mit Farbe und Mörtel einzufangen.

 


                                        Maria mit Kind

 


                                       Erzengel Michael

 

Dazu kommt, dass wir in der Agia Anna Kirche die einzige einigermaßen erhaltene Bilderwand (Ikonostas)vorfinden. Kanonisch festgelegt befindet sich auch hier das Bild der Muttergottes links vom Eingang  zum Altarraum, während Christus immer rechts davon abgebildet ist.

 


Dann geht es Richtung Paleochora zu unserem Schlaftempel. Auf  dem Weg dahin erheitere ich Herbert mit nicht - gemachten Fotos, weil er so zimperlich ist, wenn ich vor ihm durch die Windschutzscheibe fotografieren will und er sich beim Chauffieren gestört fühlt. Besonders ein Zackenkamm  hat es mir angetan, der plötzlich verschwunden ist, weil Herbert so schnell fährt.

 

           

 

Am Abend landen wir in einem Familienrestaurant, wo es herrliches Essen gibt. gebratene Sardinen, gefüllte Zuchiniblüten. Gebratene  Kleinfische und gratinierte Melanzani. Einfach köstlich. Wir werden jeden Tag hier essen – und es ward gut so.

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag, 3. Oktober 2009

 

Am Morgen weht der Wind und die Temperatur lädt nicht wirklich zum Baden ein. So beschließen wir nach Sougia zu fahren, um auf dem Landweg nach Lissos zu gelangen. 30 km Straßenfahrt, um einen Luftweg von 12 km zurückzulegen. Das ist Kreta pur!

 Wir fahren ohne Unterbrechung und beginnen nach Kaffee und Kakao, den Anstieg nach Lissos; zunächst durch eine wunderbare Schlucht. Rechter Hand neigen sich die hohen roten Felsen wir offene Hände über den ausgetrockneten Bach und die üppige Vegetation, bestehend aus Aleppokiefern und Hartholzgewächsen. Überall weiden Ziegen und blicken uns freundlich an.

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Nach 20 minütigem Fußmarsch durch das Tal, geht es hinauf zum Plateau des Hügelausläufers. Zunächst  wandern wir auf einem mit Föhrennadel gepolsterten Steig. Oben angekommen, erstreckt sich das Bergplateau fast eben vor uns, gesprenkelt von unterschiedlichen Arten von Mackie, wodurch sich ein abgetretener und rotgefärbter  Steig hindurchschlängelt. Es ist heiß und windig. Aber es geht flott dahin und bald erblicken wir die malerische Bucht zu unseren Füßen, wo das antike Lissos erbaut wurde.

 


Lissos  war eine antike Stadt an der Südküste Kretas, zwischen den heutigen Ortschaften    Paleochora im Westen und  Sougia im Osten.

 Die Stadt wird erst seit dem 3. Jahrhundert in schriftlichen Quellen erwähnt, war nach den archäologischen Resten aber schon seit klassischer Zeit besiedelt. Im späten 4. und 3. Jahrhundert war Lissos Mitglied und wahrscheinlich sogar Hauptstadt eines Bündnisses mit den Nachbarstädten.  221/220 v. Chr. kämpften die Oreioi im  Lyktischen Krieg gegen  Knossos. Vermutlich noch bis zum 9. Jahrhundert n. Chr. war Lissos Bischofssitz.

Im Ort, der nur über das Meer und Wanderwege erreichbar ist, haben sich Reste eines Asklepeions mit Mosaiken, eines  Aquäduktes und römischer Thermen erhalten. Außerdem wurden ein Theater und die Überreste frühchristlicher Basiliken entdeckt. In Lissos wurden zudem eine große Menge Skulpturen gefunden, die hauptsächlich die Gottheiten Asklepios oder  Hygeia darstellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir klettern hinab und besuchen zu allererst eine kleine byzantinische Kapelle, die der Muttergottes geweiht ist. Die Fresken  an den Wänden zeigen teils ungewöhnliche Szenerien, d.h., dass sie vor der Kanonbildung gemalt wurden.


        Muttergottes mit geneigtem Kopf                               Hl. Georg

 

Es ist ein lieber Raum und zudem ist es kühl hier drinnen, was wir beide sehr genießen. Später wandern wir in Richtung Bucht und ich habe nur eine Sehnsucht – ins Wasser. Doch habe wir keine Badekleidung mit und daher muss die Rast im Schatten des Felsens genügen. Wir bewundern den Ausblick, müde und verschwitzt. Als später noch eine Gruppe von Ausflüglern daherkommt, beschließe ich mir eine kleine Bucht zu suchen, wo ich ungesehen ins Meer kann. Ich klettere über die Felsen, doch eine gemütliche Bucht findet sich nicht. So kauere mich hinter einen großen Felsen, wo die Wellen anprallen und bekomme ein wenig kühlendes Wasser ab.

Später erkunden  wir die Ausgrabung, die krottenschlecht beschriftet ist. Es finden sich Spiralen am Boden, die offensichtlich so klar sind, dass sie jeder versteht und keiner Erklärung bedürfen. Ein Pfeil weist in Richtung Asklepius Tempel, von keinem weiteren gefolgt. Wo der Tempel wirklich ist, kann nicht eruiert werden. Immer wieder steige ich hinauf , um das Gelände zu überblicken, entdecke in der Ferne noch eine kleine byzantinische Kirche – besuche  eine näher liegende, die aus Spolien gefertigt ist, aber weit und breit kein Asklepius Tempel, bis, ja  bis wir über den Tempel geradezu stolpern, und zwar am Einstieg in die Wand, die am Rückweg zu überwinden ist. Es gibt einen schönen schwarz weiß gestalteten Mosaikboden. Eng gefugte Grundmauern, zwei Säulenstümpfe und ein Badebecken im Tempelinneren – alles, was zu einem ordentlichen Restbestand dazu gehört und darüber hinaus ein kleines Altärchen, wo die esoterischen Gemüter ihre Opfer darbringen können.

 


 



 

 

Als uns eine betagte Italienerin in eine bestimmte Richtung  führt, stehen wir nur vor Einfriedungen. Doch Herbert und ich nehmen eine Abkürzung und klettern unter Zaun und Stacheldraht hindurch.

Der Aufstieg fühlt sich mörderisch an. Die Steine strahlen Hitze ab und die Sonne brennt herab. Doch wir sind sehr schnell oben und setzen den Abstieg fort durch Makie, Föhrenwald und das malerische Flusstal. Eine Ziege hält Zwiesprache mit Herbert und mir gelingt ein gutes Porträt derselben.

Unten angekommen empfängt uns der Beton des kleinen Fischerhafens, wo die Wellen anbranden und die Herrschaft über unsere Aufmerksamkeit gewinnen.

Müde, aber sehr glücklich beginnen wir unsere Rückfahrt: wieder eine 30km Fahrt für eine Distanz von Luftlinie von knapp 12km.

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 4. Oktober 2009

 

Reisetag. Wir werden an diesem Tag 260km zurücklegen. Doch noch sind wir am Anfang. Zunächst verlassen wir unser „übergeschmücktes“ Heim in Richtung Temenia. Die kleine Kirche von Stratos ist leider geschlossen. Wir befahren eine Straße, die wir schon sehr gut kennen, weil sie der Zweig ist, den man nehmen muss,egal in welcher Richtung man fahren will. Wir verabschieden uns von Maxa und Rodovani – so richtigen Ur-dörfern, wo es heute hoch hergeht und auch die Frauen auf den Straßen zu sehen sind.

Es ist Wahlsonntag und wir spüren den ganzen Tag, dass die Atmosphäre anders ist als sonst. Von Rodovani geht es auf einer unbekannten Strecke in Richtung Chania, wo wir die National Road nehmen bis Vrises. Ab Vrises geht es wieder Richtung Süden nach Franco Kastello. Dorthin wollte Herbert schon lange und irgendwann sind wir dann auch dort.

Unterwegs halten wir in einer Provinzkleinstadt und trinken in der Konditorei Kaffee und Kakao – nein heiße Schokolade - und essen Süßigkeiten - herrlich süße – dann suchen wir nach der Agio Georgios. Wir finden sie auf einem wunderschönenPlatz, darauf ein Kirchlein, mit einem Vorhängschloss abgesperrt. Der Schlüssel streckt daneben an einem Bändchen im alten Holzriegel!!!

 



Innen wieder  trauliche Schönheit! Herbert wird langsam zur lebendigen Ikone.

Später geht es  eine überwältigend schöne Küstenstraße hinab nach Vraskas, deren Zauber ich mit der Kamera einfangen will, was aber kaum gelingt.


 

Entlang der Küste fahren wir wieder durch Olivengärten und Obstplantagen. Wo immer in Kreta ein Stück flaches Land zu finden ist, wird in Glashäusern Gemüse und daneben Obst gezogen. Olivenbäume gibt es überall: an den steilsten Hängen, neben der Strasse und überall dort, wo sie wachsen können. Ähnlich ergeht es den Weinstöcken, die auch überall zu finden sind, wo man zu Fuß hingelangen kann, um die vielfältigen Arbeiten zu erledigen, die Weinstöcke brauchen.

 



In Franko Kastello ist es heiß und es scharen sich die Leihautos im Schatten der langen Nordmauer. Wir parken etwas abseits in der Sonne und Herbert holt sich einen süß und „fruchtig“ schmeckenden Saft, der auch zu den „Verlorenen“ zählen wird. Dieser schmeckt so grauslich – eine Mischung aus Hustensaft und Geschmacksverstärker – das er nicht zum Trinken ist. Ebenso, wie unsere Keksrolle, die wir im etwas nachsaisonal wirkenden  Super Markt in Falasarna gekauft haben. Wir betreten das Kastell und sind überwältigt. Das venezianische Gespür für Dimensionen hat auch diesen militärischen Platz gestaltet. Breite, Höhe und Tiefe der gesamten Anlage harmoniert aufs innigste miteinander. Die Ecktürme vermitteln ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit und die Bauten der militärischen Bereiche folgen dem Goldenen Schnitt. An der östlichen Innenmauer  ist eine riesige Bühnenplatform errichtet. Die Holzdielen lösen sich schon vom Untergrund, aber das hindert Herbert, nicht in großer Gestik sein schauspielerisches Können anzudeuten.


 

 

Es ist Herbst und die jungen Leute schon lange in der Schule, sonst wäre die Bühne

schon längst von Komparsen bespielt, die Herbert nachzuahmen versuchen. Bühne bewirkt Verzauberung. Aber wenn wir die elektrischen Anlagen der Burg betrachten, dann wird uns klar, dass hier NUR der alte griechische Chor eine Chance hat verstanden zu werden. Ein Regisseur der Moderne müsste schlichtweg wahnsinnig werden, wenn er an die Beleuchtungsausfälle, Tonstörungen - bedingt durch Schwankungen im Netz kaputte Isolierungen,  ect.  – zu denken begänne.

Wir begeben uns hinab an den Strand, der von den anrollenden Wellen nass und dunkel gefärbt ist. Wir wandern weit hinaus, um den Anblick des Kastells nur recht genießen zu können. Herbert badet im rechten Plantschbecken, das von einem Felsenriff gebildet wird, ich werde es ihm nachmachen und später auf den Felsen das Meer anschauen und den Wellen zuhören.

 

Wir fahren weiter und es zieht sich nach Selia, trotzdem wir auf dem flachen Küstenstreifen unterwegs sind. Von Selia eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf die Bucht von Plakias, die Herbert in Zukunft mit seiner Anwesenheit beehren will:

 Durt i amal hin und Tage verschlunzen…“ Ich  verstehe ihn...

 


Später biegen wir wieder in die Berge hinauf, durchqueren das mondäne Spili;  ringelnd und kurvend geht es weiter, wobei die Landschaft immer wieder ein  anderes Gesicht zeigt. Fotos reichen nicht aus, um den überwältigenden Eindruck wiederzugeben, den die Landschaft auf uns ausübt.  Bei Hagia Galini nähern wir uns wieder dem Meer, um danach wieder in die Berge abzubiegen, bis wir schließlich in Zaros zu landen. Dem Ort, der für heute unser Schicksal wird..

 

 

Montag, 5.Oktober 2009

 

Nach einer nahezu durchwachten Nacht, weil uns die heimischen Gelsen keine Ruhe lassen – fahren wir in Richtung Vasomonerou. Es ist etwas schwierig hinzukommen, weil die Durchfahrt durch Vorizia eng und voller Gartenarbeit (z. B Nüsse auf der Straße) ist. Die Anfahrt zum Kloster gestaltet sich dann wieder als Ableger der National-Road. Das mächtige Vorhängeschloss signalisiert: hier können nur Auserwählte hinein. Wir fragen im Dorf nach, wegen dem Schlüssel und erfahren, dass am Montag immer geschlossen ist und der Schlüssel wahrscheinlich in Zaros aufbewahrt wird.

Wir fahren also wieder zurück und ich frage in der Post nach dem Schlüssel. Der Postangestellte kommt mit dem Popen zurück und meint, dass dieser in einer halben Stunde draußen an der Klosterkirche sein werde. Wir nehmen an, dass es stimmt und nehmen im Cafe visavis einer PASOK-Versammlung Platz, wo der Pope mittendrin sitzt. Es ist ein unvergessliches Bild, wie sie zusammen den Sieg der Sozi- Partei feiern. Drinnen im Cafe sitzen die Älteren. Ob sie die Niederlage ihrer Partei zu verkraften suchen? Auf jeden Fall ist es ein menschliches Geschenk vom Feinsten, wie sie hier zusammen  sitzen und alle Vorüberfahrenden anrufen, wissend wer sich mit ihnen freuen kann und wer nicht.

 


Der vorbeikommende Polizist legt sich allerdings  Zurückhaltung auf, er muss mit allen auskommen und ist klug genug, Geschäfte vorschützend zur Post und zur Bank zu gehen.

Als der Pope aufbricht, trinken wir schnell aus und fahren zur Klosterkirche hinaus. Doch er kommt NICHT. Und traurigen Herzens fahren wir wieder zurück. Wir fahren ins Kloster Agios Nikolaos, wo wir von einem alten freundlichen Mönch mit Kuchen gemästet werden. Es ist eine rührende Szene, wie er uns füttert. Später lässt er uns in die Kirche und sperrt uns auch den freskierten alten Teil auf. Ich fotografiere nicht – lasse das alles nur auf mich wirken und vergesse langsam  meine Enttäuschung.

Herbert fährt weiter und biegt zum Kloster Vrontisi. Dort finden wir den angekündigten venzianischen Brunnen mit Adam und Eva und die Klosterkirche, die wirklich wie eine belebte Kirche wirkt.

 



Es herrscht allerdings absolutes Fotografierverbot. Draußen auf Platz vor der Klosterkirche ist es wieder unnachahmlich still und friedlich.

 

Wir fahren zurück nach Zaros unseren Ort der Wünsche und Hoffnungen, der Stechmücken und der nicht eingehaltenen Versprechen…

Weiter geht es zuerst nach Osten und dann nach Süden, wo sich die Weiten einer Flusslandschaft mit Obstplantagen und Olivenhainen, Glashäusern eröffnet, die in ihrer Fruchtbarkeit ein völlig neues Landschaftsbild eröffnen.

Unterwegs bemerkt Herbert eine Knubbelkirche – Zentralbau, die wir wieder über einen Feldweg erreichen. Von außen wunderbar, im Inneren keine Fresken mehr. Wir stapfen durch Olivenhaine, klettern über Terrassenaufbauten und essen gestohlene Weintrauben.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Hagia Deka betreten wir die frühbyzantinische Kirche, die wir als stärksten religiösen Ort erleben, seit wir in Kreta unterwegs sind. Es gibt noch den Stein, worauf die Heiligen Martyrer bei ihrer Enthauptung gekniet sind und wunderschöne alte Ikonen. In der benachbarten Kirche finden wir die Gräber der 10 Martyrer – einfache Tröge, weil zu einer würdigen Bestattung kaum Zeit und Möglichkeiten vorhanden waren. Grundsätzlich befindet sich das Dorf auf den Ruinen einer römischen Siedlung, die sich im Umkreis erstreckte.

 


                    Enthauptungsstein

 

 


Agia Deka


Märtyrergräber

 

 

Wir fahren weiter  durch Mires einer Mischung aus  Deutsch Wagram und Strasshof, eine Stadt nur zum Durchfahren. Matala ist touristisch total verseucht und wir beschließen am nördlicheren Strand zu bleiben. Kalamaki heißt unser Strand und wir bewohnen ein weißes Studio mit Blick zum Meer. Und es ist hinreißend hier zu sein…


  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 6. Oktober 2009

 

Heute ist großer Ausgrabungstag. Wir besuchen Festos, die zweitgrößte minoische Metropole. Es ist ein sehr übersichtliches Ausgrabungsgelände und ganz toll beschriftet. Wir sind früh da und können unseren Rundgang abschließen, noch bevor der Parkplatz mit Autobussen vollgestellt ist.

 


               Eingangsbereich/Haupttreppe

 


              Vorratsbehälter


                                   Megraon /Audienzsaal der Königin

 

 


                    Megaron/Audienzsaal des Königs


         

                        Bibliothek /Fundort des Diskus mit Linea -A Schrift

 


 

 

Drüben in Hagia Triada, der Sommerresidenz der minoischen Könige, fehlen die Besuchermassen und wir können gemächlich herumspazieren und die alte Welt auf uns wirken lassen. Die neue Welt wird durch rot-weiße Absperrungsbänder einige Handwerker und einer weiblichen Chefin repräsentiert.

Doch die wirklich interessanten Mauerfresken sind sowieso im Museum in Heraklion.

 



 

 

 


                        Wohnzimmer des Prinzen

 

Die Kirche Agios Georgios, die sich auf dem Ausgrabungsgelände befindet, erfreut uns mit Fresken aus dem 14.Jh. Die Kirchentüre ist mit einem Draht „gesichert“, der sich ganz leicht öffnen lässt. Nachdem die übrigen Besucher herein und wieder hinausgegangen sind, schließe ich die Türe und die späteren Besucher kommen nicht auf die Idee dasselbe zu versuchen, wie ich …

 


 

 

 

 

 

 



Donnerstag , 6. Oktober


Heute brechen wir auf nach Iraklion. Am Weg dahin besuchen wir das Kloster Paliani, ein Frauenkloster, wo heute noch 50 Nonnen leben.

Es ist eines der ältesten Klöster von Kreta. In byzantinischer Zeit war es ein patriarchalisches und kaiserliches Kloster. Doch gibt es aus dieser Zeit keine Urkunden, nur Ruinen und Legenden, die berichten, dass in den umliegenden Höhlen Asketen und Eremiten lebten. Zur Zeit der Venezianer (Besetzung Kretas 1204-1211) erhob der Doge von Venedig Ansprüche auf das Kloster. Der Zwist mit dem byzantinischen Kaiser um den Besitz des Klosters, dem viel Ländereien als Schenkungen zugeflossen waren, währte viele Jahre, wie aus den Briefen in den venezianischen Archiven hervorgeht. In venezianischer Zeit war es eine Nonnenkloster.

Nach der Eroberung Kretas durch die Türken befanden sich die Frauenklöster in einer sehr schwierigen Lage. Die Klöster wurden überfallen, die Frauen vergewaltigt und getötet.Trotzdem gelang es dem Kloster Paliani bis zum Befreiungskampf 1821 zu überleben.

Dann jedoch zeigte sich die Gewalttätigkeit der türkischen Truppen in ihrem ganzen Ausmaß. Das Kloster wurde in Brand gesteckt. Die Nonnen versuchten zu flüchten. Die Äbtissin wurde ermordet, nachdem ihr alle,“die gerade da waren Gewalt angetan hatten“, wie in einer Urkunde jener Zeit erwähnt wird. Von den 70 Nonnen überlebten nur drei. Einer von ihnen gelang es später das monastische Leben auf Kreta wiederzubeleben. Gegen Ende des 19.Jh. begann eine neue Blütezeit für das Kloster. Dutzende von Nonnen ließen sich dort nieder. Und auch heute leben noch 50 Nonnen in diesem Konvent.

Auffällig ist, dass in den Männerklöster auf Kreta kaum mehr als drei Mönche leben und eine Reihe von Klöstern überhaupt aufgegeben wurden, während es drei große Nonnenklöster gibt, die auch jungen Mädchen immer wieder eintreten.

Südlich von der Kirche steht eine große jahrhunderte Jahre alte Myhrte, die von den Nonnen als heilige Myrthe bezeichnet wird und ein erstaunliches Beispiel darstellt, wie der Kult der Bäume noch fortlebt, der bis in die minoische Zeit zurückreicht. Dieser Kult findet sich an mehr als 50 Orten in Kreta, und zwar in christlich orthodoxem Gewand. So glaubt man, dass sich in der

Hl. Myrthe eine Ikone der Gottesmutter verborgen ist. Das Fest der Muttergottes ist im orthodoxen Raum der 15. August. Doch gibt es für die Hl. Myrthe noch ein eigenes Fest am 23. September, wo auf Spolien  - Säulenkapitellen aus der Römerzeit-  besondere Brote gesegnet werden.

 

Auf dem Weg dahin irren wir uns bei der Abfahrt und landen in einem Bergdorf, wo sich Herbert durch schmale Strassen hinaufquälen muss.. Oben erfahren wir, dass wir nur im  großem Bogen zum Kloster kommen. Unterwegs dahin drehen wir nochmals um, weil die Gegend zu einsam wirkt, um in die richtige Richtung zu fahren. Wir fragen nach und erfahren, dass wir schon auf dem richtigen Weg waren und einfach weiter fahren sollten in die Einsamkeit der Hügellandschaft hinein.

Der Geist des Labyrinthes ist auf Kreta offenbar bis heute lebendig geblieben!

 

Wir betreten den Klosterhof und wundern uns nicht mehr, dass die Gebäude in einem  wunderbar gelegenen kleinen Taleinschnitt errichtet wurde. Alle wichtigen antiken Gebäude, alle Klöster des Landes und auch alle alten Kirchen, so meine ich, liegen in Griechenland an besonderen Orten. Entweder auf Hügelplateaus, die eine besondere Aussicht gewähren, oder verborgen in Olivenhainen, wo geheimnisvolles Halbdunkel herrscht, in Schluchten, wo im Herbst das Wasser hernieder rinnt und eine üppige Vegetation hervorruft. Als  Besonderheit von Kreta kommen die Höhlenkirchen dazu , die aber mehr zum Schutz der Gläubigen in Verfolgungszeiten geschaffen wurden, denn aus anderen Motiven.

 


Das Kloster ist sehr  lebendig geblieben, das merkt man schon beim Betreten. Im übrigen wirkt es wie ein kleines Dorf. Es gibt eine Bäckerei hier, und einige Gebäude, wo Handwerker tätig sind und Nonnen ihren Arbeiten nacheilen.

 

 

Ein Raum fasziniert uns besonders – offensichtlich der Besuchertrakt, der mit großen Porträts geschmückt ist, die Äbtissinen und wichtige kirchliche Würdenträger darstellen. Daneben gibt es noch einen bibliotheksartigen Raum, der offensichtlich auch als Speisezimmer in Verwendung ist. Ich trau mich kaum zu fotografieren, aber schließlich drücke ich doch ab.


Wir finden auch die alte Myrthe, aber obwohl es mitten am Vormittag ist, lassen sie uns nicht in die Kirche hinein. Ich könnte sie eintreten die Kirchentüre, aber es hilft nichts – neimand sperrt uns auf..

 



Bei der zweiten Kirche, die aus unmittelbarer Nähe herübergrüßt,, dasselbe, zugesperrt. Und ich bin unendlich traurig, weil es hier offensichtlich nicht darum geht, dass man Jesus im Sakrament besuchen kann, sondern nur darum, ungebetene Touristen, die ohnehin kaum herkommen, abzuwehren.

 

 

Knossos

 

Knossos war in der Antike eine Großstadt und beherbergte in ihrer Blütezeit etwa 100.000 Einwohner. Sie war die bedeutendste Stadt der minoischen Kultur. In ihrem Zentrum stand der Palast des sagenhaften König Minos.
Knossos ist heute die größte und bekannteste Sehenswürdigkeit der Insel Kreta. Zehntausende Touristen besuchen jährlich dieses größte Ausgrabungsgelände der Insel. Die Reste der eindrucksvollen antiken Siedlung liegen etwa fünf Kilometer südöstlich der Inselhauptstadt Irakleion.

Kernstück der archäologischen Grabungsstätte und gleichzeitig Mittelpunkt des Besucherinteresses ist der einstige Palast des König Minos. Dieses auf einem teilweise künstlich angelegten Hügel stehende Bauwerk war mehrere Stockwerke hoch.
Der Palast besaß insgesamt etwa 1400 Räume und wurde im Verlauf der Geschichte mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Die älteste Palastanlage stammt vermutlich aus der Zeit zwischen 3000 bis 2000 Jahre v. Chr.. Ein jüngerer Palastbau ist etwa 3600 Jahre alt. Beide Palastanlagen waren etwa gleich groß und in ihren Ausmaßen gewaltiger als der heutige Londoner Buckingham Palast.

Stadt und Palast wurden um 1450 v. Chr. vermutlich durch ein Erdbeben nach einem Vulkanausbruch auf der Insel Thira stark beschädigt. Der Palast konnte danach nur teilweise wieder aufgebaut werden, denn bereits um das Jahr 1400 v. Chr. zerstörten die mykenischen Heerführer die verbliebenen Reste der Stadt sowie des Palastes. Damit endete die minoischen Kultur auf der Insel Kreta.

Erste spärliche Ausgrabungen an dieser historischen Stätte erfolgten im Jahre 1878 durch den Griechen Kalokairinos. Ab dem Jahre 1900 wurden sie im großen Stil durch den Briten Arthur Evans vorangetrieben. Die Forscher entdeckten in der Folgezeit einen mehr als zwei Hektar umfassenden Gebäudekomplex mit zahlreichen Sälen, Innenhöfen, Treppen, Magazinen und anderen Räumen in allen Größen. Außerdem stießen sie auf zahlreiche Funde, welche auf einen Stierkult hindeuteten.
Sehr viele der Grabungsfunde werden heute im Archäologischen Museum von Iraklion aufbewahrt.

Zahlreiche der Ruinen des Palastes wurden fragmentarisch restauriert. Die dabei verwendete kräftige Farbgebung ist unter Archäologen und Historikern nicht unumstritten. Sie ist zwar sehr eindrucksvoll, aber geschichtlich nicht belegt.
Auf dem Gelände des Palastes sehen Sie u.a. die antike Wasserversorgung und WCs, die Gemächer des Königs und der Königin, den Thron des Minos sowie zahlreiche beeindruckende Wandgemälde mit Tieren und Fabelwesen.

Stadt und Palast wurden um 1450 v. Chr. vermutlich durch ein Erdbeben nach einem Vulkanausbruch auf der Insel Thira stark beschädigt. Der Palast konnte danach nur teilweise wieder aufgebaut werden, denn bereits um das Jahr 1400 v. Chr. zerstörten die mykenischen Heerführer die verbliebenen Reste der Stadt sowie des Palastes. Damit endete die minoischen Kultur auf der Insel Kreta.

Erste spärliche Ausgrabungen an dieser historischen Stätte erfolgten im Jahre 1878 durch den Griechen Kalokairinos. Ab dem Jahre 1900 wurden sie im großen Stil durch den Briten Arthur Evans vorangetrieben. Die Forscher entdeckten in der Folgezeit einen mehr als zwei Hektar umfassenden Gebäudekomplex mit zahlreichen Sälen, Innenhöfen, Treppen, Magazinen und anderen Räumen in allen Größen. Außerdem stießen sie auf zahlreiche Funde, welche auf einen Stierkult hindeuteten.

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1 - Westliche Vorhalle
 2 - Prozessionskorridor
 3 - Mittelhof
 4 - Südlicher Propyläen
 5 - Treppe zum Piano Mobile
 6 - Thronsaal
 7 - Pfeilerkrypta
 8 - Raum des Großen Pithos
 9 - Große Treppe
10- Halle der Doppeläxte
11- Säulenhalle
12- Megaron des Königs
13- Megaron der Königin
14- Baderaum
15- Toiletten der Königin
16- Östliche Eingangshalle
17- Hof des Steinrohres
18- Magazine der großen
     Pithoi
19- Werkstätten

20- Ostbastei
21- Magazin der Medaillien-
     Pithoi
22- Nordeingang
23- Säulenhalle
24- Nordöstliches Lager
25- Waschräume
26- Theatergebiet
27- Westhof
28- Ummauerte Gräben
29- Altar
30- Unterer Korridor
31- Untere Lagerräume
32- Altes Verlies
33- Nordost-Haus
34- Südost-Haus
35- Haus des Altarheiligtums
36- Süd-Haus

 

 

Sehr viele der Grabungsfunde werden heute im Archäologischen Museum von Iraklion aufbewahrt.

Zahlreiche der Ruinen des Palastes wurden fragmentarisch restauriert. Die dabei verwendete kräftige Farbgebung ist unter Archäologen und Historikern nicht unumstritten. Sie ist zwar sehr eindrucksvoll, aber geschichtlich nicht belegt.
Auf dem Gelände des Palastes sehen Sie u.a. die antike Wasserversorgung und WCs, die Gemächer des Königs und der Königin, den Thron des Minos sowie zahlreiche beeindruckende Wandgemälde mit Tieren und Fabelwesen.

 Das Bauwerk gibt den Fachleuten noch viele Rätsel auf. So finden sich hier z.B. mehr al 400 mannshohe Tonkrüge mit einem Fassungsvermögen von insgesamt mehr als 200.000 Litern. Sie müssen noch vor dem Bau der umgebenden Mauern aufgestellt worden sein, da sie nicht durch die Türöffnungen hindurchgepasst haben..
Laut Aussage der Archäologen handelte es sich bei diesen Gefäßen einst um Vorratsbehälter für Öl, Wein und
Getreide.

Das sagenhafte Das sagenhafte Labyrinth, in welchem der griechischen Mythologie zufolge der Minotauros gefangen gehalten wurde, konnte bisher nicht gefunden werden. Vermutlich aber war der Palast mit seinem verwirrenden Grundriß selbst dieses mystische "Labyrinth".

Wir parken in einem Olivenhain und merken erst später, dass wir noch ein Stück weit haben zu den Ausgrabungen.Doch tapfer machen wir uns in der Hitze auf den Weg und beginnen  schließlich unsere Wanderung am Westpropylon.  Hier begrüßen uns die amphorentragenden Jünglinge, die den prächtigen Aufgang zu den ersten Stockwerken des Piano Nobile schmücken. Die Reste des Königspalastes bestechen durch die riesigen Ausmaße einerseits und die Rekonstruktionen andererseits. Obwohl die Fachwelt die roten Säulen von Evans nicht unbedingt gutheißt und nach dem heutigen Standpunkt der puristischen Archäologie, Rekonstruktionen in diesem Umfang einfach nicht gutheißen kann, helfen sie dem Besucher in der verwirrenden Vielzahl von Gebäuden einen Überblick zu gewinnen.

       

Von dort aus betreten wir den Zentralhof, durchschreiten den über den ehemaligen Süd-eingang endende Prozessionskorridor, der mit einer Kopie des Lilienprinzen geschmückt ist.

 

 


 

 

Immer wieder  erleben die Faszination der weiträumigen Treppenanlagen, die dem Gebäude ein grandiose Leichtigkeit verliehen. Man spürt geradezu den bewusst  hergestellten Austausch zwischen Natur, Sonne und Wind, der mit den Gebäuden eine außergewöhnliche Symbiose eingeht...


 

Wir wandern durch die Anlage und versuchen dem Schwall der Touristen zu entkommen, der über die bekanntesten Räume und in in allen europäischen Sprachen immer wieder hereinbricht.


Ich sehen mich nach Phästos, wo wir in der morgendlichen Frühe fast allein durch den Palast wandern konnten und in die Atmosphäre Ausgrabungen mit unserer eigenen Fantasie eintauchen konnten. Hier fühlt man sich gezwungen, alles schnell zu sehen und zu verstehen, um bald wieder fliehen zu können und dem Getriebe zu entkommen.

Doch noch sind wir mitten in der Palastanlage und besuchen die Räume im  Piano Nobile über dem Heiligtum, wo die Kopien der geretteten Fresken, wie in einer Bildergalerie angebracht sind. Noch in den Kopien strahlen die Freskenbilder von damals einen eigenartigen Zauber aus und ich freue mich schon, sie im Original im Museum zu sehen.


Die „Pariserin“. Sehr wahrscheinlich gibt das Portrait  eine Priesterin wieder, die zu einer größeren Komposition gehörte. Da man annahm, dass sie das Ideal der weiblichen Schönheit von damals ausdrückte, nannte man sie Pariserin.

 

Fresko mit der Szene eines Stiersprunges. das den populärsten Sport der Minoer darstellt. Wiedergegeben sinddie aufeinander folgenden Phasen des Wettkampfes, nämlich das Packen des Stieres an den Hörnern, der Sprung über den Rücken des Stieres und der endgültigen Landung auf dem Boden.Der Springer ist ein Mädchen

 


Wir überqueren den Zentralplatz und besuchen das Megaron des Königs und der Königin.

 Der Thronsaal ist das meistdiskutierte Restaurierungsergebnis. Er erfreut das Auge des Besuchers, aber nicht das der Archäologen – zu rigoros wurde hier experimentiert...


Ein  Megaron besaß einen Hauptraum mit nur einem Zugang mittig in der Längsachse des Baukörpers. Zentral im Raum gab es einen kreisförmigen Feuerplatz, der in der Regel mit einer steinernen ringförmigen Einfassung versehen war. Dieses zentrale Gebilde war von vier Säulen umgeben. Vor dem Eingang befand sich ein Vorraum, der auch Türen zu den Seiten haben konnte und so den Kontakt zum restlichen Palast ermöglichte. Gegenüber des Hauptsaales befand sich im Vorraum der Hauptzugang, davor schob sich  eine Vorhalle zwischen den vorgezogenen Seitenmauern der Längswände

                                                Megaron des Königs

 

 

 Megaron der Königin

 

 

Die Delphine aus dem Megaron der Königin sind mittlerweile ein Wahrzeichen Kretas geworden. Man findet sie überall und in allen möglichen und unmöglichen Kombinationen.

Unser Weg führt uns weiter zu sogenannten Theater, einer flachen Stufenrampe, die wie wir schon von Phästos wissen, für die Zuschauer der Heiligen Spiel oder Handlungen errichtet wurde. Dann wir uns die Stelle gezeigt, wo man das berühmte Schachspiel von Knossos gefunden hat. Eine wunderbare Arbeit aus  Gold, Elfenbein und blauen Steinen, die wir später im Museum bewundern dürfen.

 

 


Wir betreten die Kellerräume des Palastes und finden hier die berühmten übermannsgroßen Pithoi, die vor den Gebäuden hier schon verstaut werden mussten und zur Vorratshaltung für Getreide und Öl gedient haben

Der Minotauros  (greichisch) (Μινώταυρος)

Minos, ein Sohn des Zeus, der auf dem vom Meer umgebenen Kreta wohnte, bat seinen Onkel, den Meeresgott   Poseidon Minos, ihm zur Festigung seiner Königswürde und zur Abschreckung eventueller Thronanwärter ein Wunder zu gewähren. Er solle einen weißen Stier aus dem Meer emporsteigen lassen, später wolle er ihn dem Gotte auch opfern. Poseidon ließ daraufhin einen Stier aus dem Wasser steigen. Kretas König fand den Stier jedoch derart schön, dass er ihn in seine Herde aufnahm und statt dessen ein minderwertigeres Tier opferte.

Poseidon ergrimmte und verfluchte Minos' Frau Pasiphae,  die sich daraufhin in den Stier verliebte. Sie ließ sich von  Daidalos ein hölzernes Kuhgestell bauen und eine Kuhhaut darüberspannen, um dann in dieses Gestell zu kriechen und sich in diesem mit dem weißen Stier zu vereinigen. Aus dieser Vereinigung ging der Minotauros hervor, eine Gestalt mit menschlichem Körper und dem Kopf eines Stieres.

Minos ließ für das Tierwesen, das er eigentlich töten wollte (zeugte dieses doch auch vom Fehltritt seiner Gemahlin), auf Bitten seiner Tochter Ariadne, die ihn am Leben lassen wollte, durch Daidalos ein Gefängnis, das  Labyrinth in Knossos, erbauen.

Herakles befreite als siebte seiner zwölf Aufgaben den kretischen Stier und brachte ihn auf die Peloponnes. Dort richtete dieser Verwüstungen und Unheil an. Androgeos, ein Sohn des Minos, hielt sich gerade in der Gegend auf, wurde aber bei der Jagd auf den Stier hinterrücks ermordet. Deswegen führte Minos nun Krieg gegen Athen. Da Athen nicht zu bezwingen war, erbat Minos Hilfe von seinem Vater Zeus, die dieser gewährte. Er schickte die Pest, und Athen ergab sich. Doch um Minos zu besänftigen, so berichtet die attische Volkssage, musste Athen nun jeweils alle neun Jahre sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen als Tributzahlung nach Kreta schicken, die von Minos zu Minotaurus ins Labyrinth geschickt und so diesem geopfert wurden.

Schließlich löste Theseus, der spätere König von Athen, das Problem, indem er sich selbst mit der dritten Tributfahrt auf den Weg nach Kreta machte. Minos gestattete Theseus den Zugang zum Labyrinth, in der Hoffnung, dass Theseus vom Minotauros gefressen würde. Theseus konnte jedoch den Minotauros besiegen und das Labyrinth wieder verlassen. Die kretische Prinzessin Ariadne, die zwar bereits mit Dionysos verlobt war, sich jedoch in den kühnen Recken verliebt hatte, hatte ihm geholfen, indem sie ihm den bekannten Ariadnefaden und sonderbare Pillen aus Pech und Haaren, die in den Rachen des Minotaurus zu werfen waren, gegeben hatte. Der Rat, auf der Suche nach dem Ungeheuer den Faden abzuspulen, kam von Daidalos. Theseus erschien mit dem Haupt in der Hand am Eingang des Labyrinths und entfloh mit Ariadne in der allgemeinen Aufregung, nicht ohne zuvor alle minoischen Schiffe unbrauchbar gemacht zu haben, nach Naxos. Daidalos wurde daraufhin zur Strafe in das leerstehende Labyrinth eingesperrt und entkam später mit seinem Sohn    Ikarus.

Die Sage vom Minotaurus hat Generationen von Forschern nach dem berühmten Labyrinth Ausschau halten lassen, aber es fand sich nicht. Angesichts der Ausdehnung und Größe des Palastes von Knossos könnte man meinen, dass der Palast selber den Gedanken an ein Labyrinth nahe legt. Die Stierspiel könnten ein weiteres Detail einbringen, nämlich, dass fremde junge Leute zum Stierspielen eingeladen wurde und mangels Übung, zu Opfern der Stiere wurden. Der Palas hat viele Geheimnisse enthüllt, aber noch mehr aufgeworfen. Wie die Menschen damals lebten, wie sie Fühlten, was ihnen wichtig war bleibt hinter den Schleiern der Vergangenheit verborgen. Wir haben keine authentischen Berichte darüber – können nur mit Vergleichen z anderen Kulturen etwas Licht in diese Zeit hineinbringen. Doch festteht, dass für Europäer die Kultur der Minoer eine Basis geschaffen hat, worauf das antike Griechenland aufbauen konnte und in der Gestalt des Dichter Homers, der aus Kreta stammt, ein Werk  geschenkt wurde, das  beiden Großkulturen in einer grandiosen Weise verdichtet.

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wieder unterwegs nach Süden

Wir essen im nahen Restaurant zu Mittag und machen uns auf nach Süden nach Archanes. Dort erwarten uns zwei berühmte Kirchen, so glauben wir. Doch die Panhagia Kirche an der Platia ist nur bis 14 Uhr geöffnet.  Meine Versuche an einen Schlüssel zu kommen sind alle vergeblich. Im Rathaus bestätigt sich dieselbe Gewohnheit, wie bei der Schließung der Kirche. Es ist kein Mensch zu sehen kein Mensch zu finden. Nur geschlossene Türen.


   Sag mir, wo die Blumen sind….

 

Doch ist die Kirche schon von außen ein wunderschönes Bauwerk.





 

 

Auch die Ankündigung von einem Minoischen Palast in der Nähe der Kirche und einer minoischen Nekropole bleibt theoretisches Wissen für uns.

Als ich nachlese, dass die Schlüssel für die Agia Triada Kirche in einem Restaurant des Ortes zu bekommen seien, fahren wir dorthin. Doch der Wirt sperrt mir vor der Nase die Räume zu und verschwindet zur wohlverdienten Siesta.

Jetzt reicht es uns und wir beschließen abzufahren, obwohl dieses Archanes etwas hat, was an Salzburg und ähnliche Städte erinnert, aber ohne eine Touristenhochburg zu sein. Das  italienische Flair, griechischer Prägung tut das Ihrige dazu, weil es hier sehr viele zweistöckige ordentlich gebaute Häuser gibt und dazwischen lichtdurchflutete weite Plätze.

Wir fahren nach Norden und übersehen die Einfahrt zu der minoischen Nekropole, weil die kretische Verwaltung übersehen hat, dass Leute, die sie besichtigen wollen, auch von Süden kommen könnten. Unser Ziel ist jetzt das Katzanzakis Museum, dass uns auch unterwegs angekündigt wurde. Wir parken in der Nähe des Pfeiles, der etwa 14 km vorher nach östlicher Richtung weist und machen uns zu Fuß auf, um das Haus, das Museum zu suchen. Wir wandern über Schotterstraßen und durch Olivenhaine, aber erfolglos. Ich frage einen arbeitenden Kreter, der  winkt ausholend und meint irgendwo oben sei es.

Herbert versteht besser als ich, dass damit auch eine sehr weite Strecke gemeint sein könnte. Und es war so. Ich denke,  dass es noch an die 20 km waren, bis wir endlich in Mirtia waren, wo sich das Museum befindet. Der Weg dahin gestaltete sich allerdings als Labyrinth, das uns durch viele schöne Landschaften führte. Wären wir gleich den Pfeilen zu einem bestimmten Weingut gefolgt, wären wir leichter dahin gekommen. So ergab sich einmal ein Pfeil am Boden, etwa 40cm hoch, der in griechischer Schrift die Entfernung mit 4 km angab. Grund genug, um nicht zu verzweifeln und weiterzufahren. Schließlich landeten wir in Mirtia, einem Bauerndorf, wo sich das architektonisch sehr modern gestaltete Museum erhob und wie ein erratischer Block die übrigen Häuser überragte.

Es ist ein Museum, das auf Initiative eines Vereines an der Stelle eines Hauses errichtet wurde, das Verwandten von N. Ksanzakis gehörte.


Das  Museum hat bis 19 Uhr offen und wir freuen uns darüber. Zunächst wird uns mittels Video die Lebensgeschichte von N. Kazanzakis erzählt, der noch während der Türkenherrschaft in Iraklion geboren wurde.

Er  wuchs als Sohn eines Kaufmanns in einfachen Verhältnissen in der Stadt Megalo Kastro – dem heutigen Iraklio im damals türkischen Kreta – auf. Von 1902 bis 1906 studierte er in Athen Rechtswissenschaften. Bereits damals entstanden seine ersten Werke. Mit dem Roman Der Tag bricht an – erschienen 1907 – wurde Kazantzakis in ganz Griechenland bekannt. Nach dem Ende des Studiums in Athen ging er 1907 nach Paris, um am Collège de France Staatswissenschaften bei Henri Bergson zu studieren, den er später als einen seiner wichtigsten Lehrer bezeichnete. In dieser Zeit entstanden weitere Romane, Dramen und philosophische Texte. Kazantzakis schloss sein Studium mit einer Dissertation über Friedrich Nietzsche ab und kehrte 1909 nach Griechenland zurück. Dort lernte er die junge Intellektuelle Galatea Alexiou kennen, die er 1911 heiratete. Die Ehe scheiterte; 1926 ließ sich das Paar scheiden.

Nun begann eine unstete Phase in Kazantzakis’ Leben. Er bereiste unter anderem Griechenland, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Russland, China, Japan, Italien, Ägypten, Palästina und Spanien. In einigen dieser Länder ließ er sich für kurze Zeit nieder (z. B. in Berlin von 1920 bis 1923). Er arbeitete als Journalist, Auslandskorrespondent, Übersetzer und Autor. Von 1916 bis 1917 versuchte er sich mit Hilfe seines Freundes Georgios Sorbas, den er kurz zuvor auf dem Heiligen Berg Athos kennengelernt hatte, als Pächter eines Bergwerks im Dorf Prastova auf der Halbinsel Mani im Süden der Peloponnes. Das Projekt scheiterte, lieferte ihm aber 30 Jahre später die Vorlage für seinen bekanntesten Roman, Alexis Sorbas, in dem er seinem Freund Georgios ein literarisches Denkmal setzte.

Nach dem Scheitern der Bergbaupläne engagierte sich Kazantzakis in der griechischen Politik. Einige Monate lang war er Generaldirektor des Ministeriums für Soziales unter Venizelos (1919/20). Im Jahr 1922 organisierte er die Repatriierung von 150.000 der sogenannten Pontos-Griechen aus dem Kaukasus ins Mutterland. Dabei begleitet ihn wieder Georgios Sorbas. In dieser Phase seines Lebens entstanden wichtige Übersetzungen (Dantes Göttliche Komödie, Goethes Faust), das Werk Askitiki (Asketik) und viele Reiseberichte. Immer wieder bereiste Kazantzakis die Sowjetunion. Er begeisterte sich für die Ideen des Kommunismus und des Sozialismus, schrieb Drehbücher, Essays und Artikel in der Prawda. Wegen seiner politischen Aktivitäten wurde Kazantzakis in Griechenland sogar kurzfristig verhaftet. Nach einiger Zeit wandte er sich jedoch enttäuscht vom Kommunismus ab. Kazantzakis hat sich in seinem Leben für viele Ideale leidenschaftlich eingesetzt. Doch schließlich sagte er selbst: „Ich war ein Küfer, ein Anwalt der Katharévousa, ein Nationalist, ein Anwalt der Dimotikí, ein Intellektueller, ein Poet, ein religiöser Fanatiker, ein Atheist, ein Ästhet – und nichts davon kann mich je wieder täuschen.“

Von 1928 bis 1932 lebte er mehrere Monate im kleinen erzgebirgischen Ort Försterhäuser in der Tschechoslowakei, um in Ruhe arbeiten zu können und sich inspirieren zu lassen

Im Jahr 1936 fand Kazantzakis zum ersten Mal eine Heimat: Er ließ sich auf der Insel Ägina nieder. Hier lebte er mit seiner neuen, langjährigen Weggefährtin Eleni Samiou zusammen, die er 1945 heiratete. Auf Ägina begann eine sehr produktive Zeit. Kazantzakis beendete eines seiner Hauptwerke, die Odyssee, begann mit der Niederschrift von Alexis Sorbas, Die letzte Versuchung Christi, Freiheit oder Tod und arbeitete an seinem Werk über Buddha. Außerdem war er weiter in der Politik aktiv, unternahm Reisen und arbeitete ein Jahr lang für die UNESCO..

1945 beauftragte ihn die griechische Regierung, Kriegsverbrechen der deutschen Besatzungsmacht auf Kreta zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden 1983 von der Gemeinde Iraklio unter dem Titel Bericht des zentralen Ausschusses zur Feststellung von Kriegsverbrechen auf Kreta (Έκθεσις της Κεντρικής Επιτροπής Διαπιστώσεως Ωμοτήτων εν Κρήτη) veröffentlicht.

Kazantzakis’ letzten zehn Lebensjahre waren von seiner Arbeit als Schriftsteller geprägt, von der er erst leben konnte, nachdem 1946 Alexis Sorbas erschienen war. 1948 zog er mit seiner Frau Eleni nach Antibes. In den nächsten Jahren erschienen Die letzte Versuchung Christi und Griechische Passion, als Oper 1958 von dem tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů komponiert. Die katholische und die orthodoxe Kirche verurteilten Kazantzakis aufgrund der Bücher und der darin bestehenden Auslegungen des Lebens Christi und der kritischen Darstellung der großen Kirchen. Der Papst setzte Die letzte Versuchung Christi auf den Index der verbotenen Bücher (1954). Dies machte Kazantzakis endgültig weltbekannt.

Im Jahr 1953 wurde bei Nikos Kazantzakis Leukämie diagnostiziert. In den Jahren, die ihm blieben, beendete er die Werke Kapitän Michalis, den autobiografischen Roman Rechenschaft vor El Greco sowie Mein Franz von Assisi. Am 28. Juni 1956 verlieh ihm der Weltfriedensrat in Wien den Internationalen Friedenspreis für das Jahr 1955.

Nach einer Reise nach China starb Kazantzakis 1957, von seiner Krebserkrankung geschwächt, in der Universitätsklinik Freiburg an einer zu spät therapierten asiatischen Grippe. Sein Grab befindet sich auf der südlichen Martinengo-Bastion der venezianischen Stadtmauer von Iraklio. Die Grabinschrift lautet:

Δεν ελπίζω τίποτα. Δε φοβʊμαι τίποτα. Είμαι λέφτερος.“

(„Den elpízo típota. De fovoúme típota. Íme léfteros. –

Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.“)

 

Im Museum wird sein Leben an Hand seiner schriftstellerischen Arbeit dokumentiert.

Das Material ist nach modernen Richtlinien der Museumspädagogik aufbereitet und gibt einen guten Einblick in seine Art zu arbeiten.

 


Dokumentation seiner Reisen


Teil seiner Werke


Erstausgabe von Christos


Drehbuch zu Alexis Sorbas


Briefe und private Gegenstände, sowie eine moderne Ausgabe seines Odysseus

 

 

 

 

Das Drehbuch für Anthony Quinn für den Film von Scorsisi, hat es Herbert besonders angetan; geschrieben mit einer mechanischen Schreibmaschine 1964.

 

 

 

Iraklion

 

Nach dem Museumsbesuch geht es Richtung  Iraklion mitten hinein in den Abendverkehr.

 In minoischer Zeit lag in der Nähe der heutigen Stadt einer der vier Häfen von Knossos. Die Dorer (Ansiedlung auf Kreta seit 1100 v. Chr.) nannten den Ort ρακλεία (Hērakleia), was „Heraklesstadt“ bedeutet. Nach dem Mythos ging Herakles hier an Land, um den kretischen Stier zu fangen.

Bis zur arabischen Eroberung Kretas 824 teilte der Ort die Geschicke der übrigen Insel. Die Araber befestigten den Ort, den sie arabisch خندق (Ḫandaq, „Graben“) nannten, woraus griechisch Χάνδαξ (Chándax) bzw. Χάνδακας (Chándakas) wurde. Im Jahr 960 eroberte Nikephoros Phokas Chándax für das Byzantinische Reich und vertrieb die Araber aus Kreta. Der Bischofssitz Kretas wurde von Gortys nach Candia verlegt. Bis ins 11. Jahrhundert zogen viele Griechen vom Festland und aus Kleinasien in die aufstrebende Stadt.

Nach   der Zerschlagung des Byzantinischen Reiches durch den 4. Kreuzzug sollte Kreta zunächst an den lombardischen Markgrafen Bonifatius I. von Montferrat fallen. Der war jedoch an Saloniki mehr interessiert und tauschte es mit der Republik Venedig. Die unter den Venezianern italianisierte Version des Namens der Stadt, Candia, übertrug sich auch auf die ganze Insel Kreta. Candia wurde Residenz des von der Republik Venedig eingesetzten Duca, des „Herzogs von Kreta“. Erster Herzog war Jacopo Tiepolo. Die Stadt wurde Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs. Die von der Markusrepublik neu zusammengesetzte grundbesitzende Aristokratie der Insel musste in der Stadt Candia präsent sein und standesgemäße Wohnsitze unterhalten. Durch drastische Steuererhöhungen provozierten sie Aufstände. Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 wurde Candia ein geistig-kulturelles Zentrum im östlichen Mittelmeer. Die kretische Malerschule mit ihren bedeutendsten Vertretern Michael Damaskenos und Domenikos Theotokopoulos (El Greco) entstand.

 Ab 1462 wurden die Befestigungen der Stadt wegen der wachsenden osmanischen Bedrohung ständig erweitert

Ab 1648 belagerten die Osmanen die Stadt. Die 21 Jahre währende Belagerung von Candia ging als längste Belagerung in die Geschichte ein. Nach blutigen Kämpfen, bei denen die Venezianer 30.000 und die Osmanen 120.000 Mann verloren haben sollen, eroberten die Türken die Stadt und damit ganz Kreta. Unter der türkischen Herrschaft verlor die nun Kandiye genannte Stadt viel von ihrer Bedeutung an Canea, das heutige Chania. Nach der Eroberung durch die Türken taucht neben der türkischen Form Kania der neugriechische Name Μεγάλο Κάστρο auf (Megálo Kástro, „große Burg“, vom lateinischen castrum entlehnt).

 


Den Namen Megalokastro führte die Stadt auch noch, nachdem Kreta 1898 autonom wurde. Mit der Autonomie Kretas begann der Wiederaufstieg von Iraklio. Nach dem Anschluss Kretas an Griechenland 1913 wurde in Anlehnung an den antiken Namen die hochsprachliche Form ράκλειον (Iráklion) als Name angenommen.

Die kleinasiatische Katastrophe brachte im Jahr 1923 innerhalb weniger Tage 20.000 Griechen aus der Gegend um Smyrna nach Iraklio. 8.000 Flüchtlinge wurden in dem neuen Stadtteil Nea Alikarnassos östlich der alten Festungsmauern angesiedelt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Iraklio am 14. Mai 1941 von der deutschen Wehrmacht zur Vorbereitung des Überfalls auf Kreta bombardiert und schwer zerstört. Der Wiederaufbau der inzwischen ins Umland wuchernden Stadt war weitgehend planlos und wurde durch eine enorme Zunahme der Einwohnerschaft, wilde Bautätigkeit und Bodenspekulation gekennzeichnet.

Seit 1972 ist die Stadt Verwaltungssitz der ganzen Insel, seit der Sprachreform 1976 unter dem volkssprachlichen Namen Ηράκλειο (Iráklio).

 

Wir quälen uns durch den Abendverkehr, der durch die intakte Festungsmauer naturgemäß nicht unbedingt erleichtert wird und beginnen mit unserer Hotelsuche. Wir wissen nicht wirklich, wo wir  suchen sollen.  Also fahren wir einfach dahin, immer den Blick auf eventuelle Anzeigentafeln gerichtet. Doch finden wir in den Zufahrtsstraßen keine Hinweise auf Hotels.

Ich stell mir vor, dass vielleicht die Hafenzeile Hotels mit Meerblick anbieten könnte, daher  biegen wir in die Hafenstraße ein, wo es hektisch dahingeht, nur verlangsamt durch Kreisverkehre.

Ich habe mich getäuscht denke ich, weil am Hafen nur gesichtslose Wohnbauten errichtet sind, Industriegelände dazwischen und keineswegs eine Hotelgruppe, die, wie in anderen Hafenstädten, den Blick aus Meer als kostenloses Ambiente anbieten kann. Letztlich erhasche ich den Blick auf die Anzeigentafel eines Hotels und wir biegen in die Stadt hinein: Parkplatz finden erscheint uns absolut sinnlos. Doch wir haben Glück, auf einer Straßenfläche, wo ein unscheinbares Kistel mit Büschen auf der Straße als Parkplatzhalter abgestellt ist, finden wir einen Parkplatz in der Nähe des angekündigten Hotels, das uns etwas  zu teuer erscheint. Unmittelbar daneben  finden wir  aber ein ordentliches Zimmer mit einem schrägen Blick auf das Meer


Später tauchen wir in das Leben der Stadt ein, das klare Züge mediterranen Leben trägt. Die wieder-aufgebaute Loggia der Venezianer trägt ihren Beitrag ebenso dazu, wie der venezianische Brunnen und der ausgedehnte El.Greco Platz, der in der Dunkelheit geheimnisvoll und größer wirkt ,als später im Tageslicht. Doch der eigentliche Zauber geht von den vielen jungen Menschen aus, die sich hier ihr abendliches Stelldichein geben.

                        Nachtleben in Iraklion

Wir betreten, gleichsam so nebenbei in eine große Ausstellungshalle, wo Cheiretismos Pritani und Joanni Pallikari ihre schwarz-weiß Fotos ausstellen, die eine lange Erfahrung mit Menschenbildern ausdrücken. Es sind Menschen vom Balkan, die sie ins Bild bringen. Extreme Situationen wechseln mit Alltagsszenen und wir spüren das Anliegen der Versöhnung, die von den Bildern ausgehen. Es ist ein liebendes Auge, dass hier fotografiert hat und wir versinken im Sehen und Spüren. Allerdings berührt es mich am Ende fremd und schmerzlich, weil es der ehemaliger Kirchenraum  von der katholischen  Markuskirche ist, der hier zu einer Ausstellungshalle umfunktioniert wurde.

Doch es ist gut so, wie es ist, wenn die Kunst zur Versöhnung, der durch die Jahrhunderte sich einander verletzenden Völker, ihren Beitrag zu leisten versucht.


                        Ehemalige Markuskirche

 

 

 

Fotos der Ausstellung

 

 

 

 

 

Freitag, 9. Oktober 2009

Agios Titos

Die Kirche ist ein Bau aus dem 19. Jh., und zwar  auf  Grundfesten, die schon in  byzantinischer Zeit eine Kirche trugen. Von Erdbeben zerstört, wurde sie in allen wichtigen Epochen immer wieder aufgebaut, von den Türken als Moschee verwendet und nach der Unabhängigkeitserklärung wieder als orthodoxe Kirche eingesetzt. Ein Schicksal, das sie mit den meisten großen Kirchen Kretas teilt.Wichtig ist aber, dass 1966 die Reliquien des Hl. Titus, die von den Venezianern im 17.Jh. weggebracht, 1966 zurückgegeben wurden und sich jetzt in dieser Basilika befinden und zwar in einer besonderen  und reichgeschmückten Kapelle, links vom Haupteingang.

 


 

Mit Hilfe eines kleinen Planes suchen wir zur Agia Ekatarini zu gelangen, die 1555 erbaut wurde.  Die Kirche gehörte  einst zum Sinai Kloster, einem ehemaligen Bildungszentrum mit Malschule, in der Eleven, so auch Damaskinos und El Greco, erzogen wurden. Es beherbergt ein wunderbares Ikonenmuseum, aber es ist GESCHLOSSEN. Mit dem Kopf an die Holztüre anrennen, erscheint mir trotzdem sinnlos.

Nach unsicherem Suchen  finden wir den Eingang zu Museum und tauchen ein in eine touristische Atmosphäre, die schmerzt. Ein paar übermotivierte deutsche Touristen wandern mit dem Führer bewaffnet von Vitrine zu Vitrine, um ja alle wichtigen Gegenstände zu sehen und diese laut  zu kommentieren. Es würde allerdings der Feder von Tucholsky bedürfen, um diese Umtriebigkeit  angemessen zu kommentieren.

Vor zehn Jahren, so erinnere ich mich, war das Museum ein wirkliches Museum mit vielen Sälen und entsprechenden ermüdenden, aber interessanten Funden aus dem Neolithikum, der minoischen und klassischen Epoche und der hellenistischen  und römischen Zeit.

Jetzt befinden sich hier in zwei großen Sälen nur die absoluten Spitzengegenstände - Herbert nennt sie die „Heuler“ -die jeder kennt. Ich verstehe die Museumsleitung. Lange Erfahrung hat sie gelehrt, dass die archäologisch und wissenschaftlich wichtige Dinge das Interesse der Touristen aus der ganzen Welt kaum trifft - gleichzeitig können  sie auf diese Weise  Bewachungspersonal einsparen.

Fotografieren ohne Blitz ist erlaubt und es ist gut so. Wir wandern von Vitrine zu Vitrine und begrüßen die Bekannten Fundgegenstände und ich fotografiere alle, die uns am Herzen liegen.

 

Minoische Keramik aus dem Alten und Neuen Palast

 Tiergestaltige Trinkgefäße


Krater aus dem Alten Palast


Steingefäße aus Zakros

 


Krug aus dem neuen Palast


Stierkopf aus Knossos


Schachspiel aus dem Korridor Neuen Palast         Diskus mit Linear – A-Schrift aus Festos


            Bemalter minoischer Tonsarkophag

 

 

 

       

        Hellenistische Bronzestatue eines Jünglings

Später wandern wir entlang der Uferstraße in Richtung venezianischer Festung, die sich weithin sichtbar auf der Mole erhebt. Es ist eine wunderschöne und entspannende Wanderung, zwischen den anbrandenden Wellen an der Außenseite der Mole und dem Blick auf die Fischerboote  im Hafen.

Das Eingangstor zur Festung wird gerade restauriert aber drinnen eröffnen sich weite Hallen, deren militärische Zwecken nur mehr erahnt werden können. Wir wandern eine Rampe hinauf und gelangen auf die Terrasse der Festung, die einen unbeschreiblich schönen Blick auf das Meer und die Stadt erlaubt. Von hier aus sieht man nicht, wie hässlich die Bauten sind, die nach dem 2. Weltkrieg hier aus dem Boden gestampft wurde, so ganz im Sinne der griechischen Nochalance, die  für große nationale Anliegen keine Organisationsstruktur entwickeln kann. Wir schauen und spüren unserem Kretaerlebnis nach, das übermorgen in Chania am Flugplatz zu Ende sein wird.

 

   

         Venezianische Festung von Iraklion

                                                           

 

 

Da ich das Ikonenmuseum nicht sehen durfte, wandere ich zum Historischen Museum der Stadt, das in modernem Stil die Geschichte Iraklions sehr eindrucksvoll wiederspiegelt.

In der unteren Etage wird mit Fotos und Modellen die Geschichte im Überblick dokumentiert.Im Oberstock folgt die Dokumentation mit Ausstellungsgegenständen aus allen Epochen. Ich verliebe mich in einige Gegenstände, die ich auch fotografieren darf.

 

 

Gegenstände für den liurgischen Gebrauch

                       

Schmückende Kreuze

Evangeliar

 

 

Kretische Wohnstube

 

Wir verlassen Iraklion und fahren auf der National Road Richtung Chania. Jetzt muss ich nicht mehr in meinen Führern blättern und Sehenswürdigkeiten aufspüren, sondern kann die Landschaft genießen. Rechter Hand taucht immer wieder die Küste und die blauen Wasser des Mittelmeeres auf. Linker Hand wechseln die Ausblicke auf das Ida-Gebirge mit denen  auf die Weißen Berge. Allerdings sind die bizarren Felsformationen  jetzt nicht mehr so spannend wie anfangs – und das Dahinfahren auf einer anhaltende gerade Strecke - nach unseren Kurvenabenteuern -  nicht besonders aufregend.

In Chania essen wir angesichts des Hafens in der Abenddämmerung zu Abend – ein Bild das in Touristenfaltblättern immer wieder abgedruckt wird – und es ist wirklich sehr schön da. Später wandern wir den weiten Weg über die Mole zum Leuchtturm und bewundern das Panorama der Stadt von der gegenüberliegenden Seite.

Wir sind allein hier und mir gelingt ein Foto der besonderen Art, das unseren Abschiedsplatz betrifft.

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir wohnen in einem Hafenhotel, das in der Nacht vom Besitzer verlassen wurde und schlafen...schlecht


Aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag, 10. Oktober 2009

 

Auto zurückgeben, frühstücken, in der einzigen Katholischen Kirche beten und danach der Besuch des kleinen Volkskundemuseums. Es ist wirklich rührend, was hier zusammengetragen wurde. Das Bemühen um Authentizität der gezeigten Gegenstände gipfelt in einem Bewässerungsgraben, der in regelmäßigen Abständen, bzw. beim Eintreten in das Museum eingeschaltet wird. Ein Zimmerbrunnen der besonderen Art!

Jeder von uns hat Volkskundemuseen in Fülle gesehen und es unterscheiden sich die gezeigten Gegenstände nicht wesentlich, ob sie  nun in einem Tiroler Bergbauernhof verwendet wurden oder in einem griechischen.  Vielleicht lohnte sich  die Mühe über diese Tatsache einmal nachzudenken...

 


Unsere Besichtigungstour endet in der  Markthalle von Chania. Hier wimmelt es wieder von Touristen und wir verlassen den gastlichen Ort sehr bald in Richtung Hafen, wo Cafes mit bequemen Stühlen und die Aussicht auf den Hafen locken. Und es wird unterhaltsam da unten ..


Mit dem Taxi geht es später zum Flughafen – auf der Fahrt sehen wir noch die Hinweistafeln zum  das Grab von  E. Venezilous, das wir nicht gesehen haben, auch nicht das Grab von Kasanzakis ---

Wir haben Vieles nicht gesehen. Aber gleichzeitig hat sich durch das Gesehene und Erlebte eine eindrucksvolle Skizze in unserer Vorstellung entwickeln können, die uns Kreta als Ganzes näher gerückt hat, eine Skizze, die wir vielleicht in Zukunft noch weiter ausmalen können.