Irene Kohlbergers SALVETE

Zypern

Reise nach Zypern 

8.06 bis 15.06.2019

Vom Flughafen Larnaka, wo uns Frau Dr. Lisa Martin erwartete, fahren wir mit dem Bus Richtung Paphos. Die gut ausgebaute Straße führt durch karge Landschaft. Das Getreide ist schon abgeerntet - nahezu vollständig. Die großen Strohwalzen zeugen von einer guten und frühen Ernte. Es ist vor allem Gerste, die hier angebaut wird – für Weizen hat die Insel zu wenig Wasser. Der Hafer, auch als Viehfutter angebaut, steht noch in den Halmen.

Die Hügel sind mit trockenem Gras bedeckt, dazwischen verstreut kleines Mastixgewächs. Zusammenhängende grüne Flächen fehlen. Die von Wasser zerschundenen Hügel leuchten in vielen Farben, von Ocker bis dunkelviolett. Es ist eine wenig aufregende Landschaft – doch in ihrer Art schön. Nach Süden hin glänzt in der Ferne die blaue Fläche des Meeres herauf - sie scheint spiegelglatt – aber das täuscht. Der Wind jagt die Wellen ans Land, leise murmelnd, wenn sie aufs flache Ufer treffen oder grummelnd und laut, wenn felsige Ufer das Wasser aufschäumen lassen – unbeeindruckt von Schmutz und Strandbauten. Die Wellen bleiben die Stärkeren solange die Erdachse sich drehen wird.

Choraka heißt das Dorf, das über unserem Hotel in grader Linie oben am Hügel liegt. Dort gibt es auch eine Kirche, wo um 18.30 Gottesdienst sei, so nach Auskunft der Mädchen an der Rezeption. Morgen ist Pfingsten und daher möchte ich wenigstens den Versuch machen zu einem Gottesdienst zu kommen. Unsere Reiseleiterin meint dazu, dass der Weg zur Kirche lang und beschwerlich sei, mit dem Taxi wäre die Kirche in 5 Minuten zu erreichen. Ich beschließe trotzdem zu Fuß zu gehen. Es reizt mich die Aussicht heißen Inselboden unter den Sohlen zu spüren, den Duft der wilden Gräser einzuatmen…

Doch es kam anders. Ein Stück weit fühlte es sich ländlich an, doch bald zeigte sich, dass der Weg ins Zentrum des Ortes eher auf Asphalt zu gehen war. Dreimal musste ich fragen und dreimal vergrößerte sich die Distanz – doch schließlich erblicke ich die Silhouette der neuen Kirche und war am Ziel. Ein uralter Priester hält die Liturgie, begleitet von drei Akoluthen, die respondieren, alles wie gehabt. Eine Handvoll Leute im Gottesdienst, der wesentlich früher begonnen hat, als üblich (nach einem handschriftlichen Eintrag im kirchlichen Schaukasten). Doch meine Absicht und der weite Weg mögen ergänzen, was ich versäumt habe. Die innere Ausstattung der Kirche folgt der üblichen 50er Malerei: glatt, derb und ohne Inspiration. Es scheint eine Totenmesse gefeiert worden zu sein, weil am Schluss Brot und Früchte verteilt werden, die ursprünglich neben Bildern von Verstorbenen aufgestellt waren. Diese „Abschiedsgeschenke“ waren im Nu verteilt …

Diese archaischen Riten verwundern mich immer wieder. Nichts dagegen einzuwenden, aber mit christlicher Überlieferung haben diese Dinge nicht wirklich was zu tun. Diese Riten entstammen ältesten archaischen Wurzeln…

Als ich über den Platz zurückwandere erblicke ich eine winzig kleine Rundkirche aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Fein und gelungen in den Proportionen und diese Kirche ist auch OFFEN. Innen ist sie bemalt und auch die alten Fresken teilweise erhalten. Der Maler war nicht gerade ein Meister seines Faches, dennoch berührt mich die Atmosphäre des Raumes, wo seit Jahrhunderten gebetet wird. Obwohl die Fresken verrußt sind und in der Dunkelheit kaum auszunehmen, zeigen sich bei einigen Gestalten sehr feine Linien und Züge, die auf einem Foto sicher gut zu sehen sein würden – doch dazu werde ich keine Zeit finden – macht nichts. Manche Dinge müssen innerlich abgebildet bleiben!

Später, nach dem Abendessen wandre ich zum Meer hinunter – herrliche Wellen. Lange ich höre dem Aufprallen des Wassers zu. Es ist dunkel und der Sichelmond spiegelt sich im Wasser einer kleinen Mulde, die aus dem Felsen ausgewaschen wurde. Die Größe und Gewalt der Wellen und die Mondsichel im Wasserspiegel der kleinen Felshöhlung tragen beide ein göttliches Gesicht.

2. Tag:

Lange Fahrt in Richtung Troodosgebirge:

 Aleppokiefern, Eichen, Pinien, Platanen Zedern und die Büsche der indigenen Steineichen begleiten uns. Dazwischen gibt es trockenen Boden und keinen Unterwuchs. Erdabstürze, mit den Spuren von abfließendem Wasser, das tiefe Narben in den Boden gekerbt hat, wechseln damit ab. Im Grunde ist es überraschend grün im Troodosgebirge. Ausblick auf weit entfernte Höhenzüge – im Dunst hellblau.

Das Kikko Kloster ist unsere erste Station. Es wirkt sehr gepflegt und modern. Mehr als 30 Mönche leben hier. In den Galerien des Klosterhofes ist die Entstehungsgeschichte des Klosters nachgezeichnet. Großräumige Bilder aus dem 20. Jahrhundert, vom künstlerischen Anspruch her zu vergessen.

Das Kloster verdankt seine Entstehung dem oströmischen Kaiser Alexander Komenos, der dem Einsiedler Elias, der seine Tochter wundersam geheilt hatte, eine Muttergottesikone schenkte und dazu auch das Geld zur Gründung eines Klosters. Diese Ikone hat sich bis heute erhalten, obwohl das Kloster inzwischen viermal abgebrannt ist. Die Ikone befindet sich in dem heutigen Ikonostas der Kirche, verhüllt, gleichsam verborgen, nur zur gläubigen Verehrung durch die Pilger und Besucher ausgestellt.

Für die Gründe der Brandkatastrophen gibt es ziemlich eindeutige Belege: Ratten, die zum Öl der Lampen, die vor der Holzkonstruktion der Ikonostas immer aufgehängt sind, vordringen wollten, haben durch ihre „Arbeit“ das Öl samt dem Feuer ausgeschüttet und dadurch die Holzkonstruktion in Brand gesetzt. Das geschah immer wieder, bis man auf die Idee kam glatte Straußeneier dazwischen aufzufädeln, um die Ratten abzuwehren.

Unser zweiter wichtiger Punkt ist die Scheunenkirche des Hagios Johannes Lampadistes in Kalopanagiotes          

Scheunenkirchen sind währen der venezianischen und osmanischen Besatzungszeiten entstanden, indem man die leicht erkennbare Struktur der Kirchen mit großen Dächern überwölbte, um sie zu maskieren, aber auch vor den Witterungseinflüssen (hier können die Winter sehr streng werden) zu schützen.

Das Innere der kleinen Klosterkirche wurde immer wieder neu ausgemalt. Die schönsten und berührensten Fresken stammen aus dem 11. und 12. Jh. Die Fresken aus dem 15. Jh. sind sehr gut erhalten und beeindrucken durch eine klare Farbigkeit. Lange stehe ich und betrachte diese kleinen Wunder von Schönheit und einfachem Ausdruck.

Jesus  wandelt über den See Genesareth

        Thron Gottes nach der Apokalypse (11/12.Jh.)

Jesus am Ölberg/Verrat des Judas (15.Jh.)

 

Jesus wird gefangengenommen (15.Jh.)

Später geht es weiter durch das Troodosgebirge in einem großen Bogen zu den höchstgelegenen Dörfern. Dazwischen gibt es einen unerwarteten und folkloristischen Aufenthalt. Da unser Bus durch die eng verparkten Straßen nicht durchkommt, steigen wir aus und befinden uns mitten in einem Straßenfest zu Ehre der Kirschenernte. Hier gibt es alle Standl, die das Herz erfreuen. Souvlaki, gebratenen Mais, Süßigkeiten und Obst und wieder Obst. Viele Leute tragen Plastiksackerl mit Kirschen mit sich: Weit sind sie gefahren, um diese Kirschen! Das schönste aber sind die Tänze und die Musik der einheimischen Volkstanzgruppe, die mit ihrer gemessenen Bewegung uralte Tänze wiederbeleben. Die Musik dazu ist sehnsuchtsvoll und berührt den Zuhörer unmittelbar. Die Gesichter der TänzerInnen verkörpern keinen bestimmten Typus. Sie wirken sehr differenziert – zweifellos ein Erbe der verschiedenen Eroberungswellen, die immer wieder Menschen aus verschiedensten Regionen auf diese Insel verpflanzten…

Schließlich landen wir bei einem Winzer, der uns in einer geübten Show seine Weine präsentiert. Die Weine sind wirklich hervorragend und auch die verschiedenen Chutneys, die sie aus einheimischen Früchten erzeugen. Schließlich erstehe ich den berühmten Comandaria, einen süßen Tropfen, der auf Zypern als Messwein dient.

Das Kloster vom Hl. Kreuz befinden sich große Kreuzpartikel und Seilstückchen, womit Jesus gebunden wurde, in einem schön gestalteten vergoldeten Reliquiar. Immer wieder trifft man hier auf besondere Reliquien und Legenden, die durch die Nähe zu Palästina und Konstantinopel hier zu finden sind. Die Rückfahrt zum Hotel führt durch ähnliche Landschaft, wie am Morgen.

3. Tag

Am Aphrodite Felsen soll die Göttin der Schönheit und der Liebe aus dem Meer geboren worden sein. Und wenn man um Mitternacht bei Vollmond um die äußeren Felsen 3 Mal herumschwimmt, dann wird man wieder jung – so die Legende.

Das Heiligtum des Apollo Hylates befindet sich auf uraltem heiligem Boden. Schon in vorgeschichtlicher Zeit wurde hier eine Muttergöttin verehrt. Funde reichten zurück bis in die Bronzezeit (14. bis 12. Jh. v. Chr.) Dieser Fruchtbarkeitskult übertrug sich auf Apollo, der auf Zypern den Beinamen Hylates erhielt, was gleichbedeutend ist, mit Apollo der Wälder. (8.-7.Jh. v.Chr.) Kultobjekt war ein konischer Stein, bekannt als „baetylos“. Die Ausgrabung beinhaltet ein gut erhaltenes römisches Bad. Es gibt eine Agora und Reste eines römischen Apollotempel mit nabatäischen Kapitellen.

Es ist still hier – nur eine einzige Gruppe außer uns bewegt sich auf den antiken Spuren…

Die  Siedlung Kurion wurde bereits Mitte des 12. Jh. als Stadtkönigtum gegründet. Die heutige archäologische Anlage zeigt eine römische Siedlung mit großen Privathäusern, wo Badeanlagen und guterhaltene Mosaike den Besucher erfreuen. Das „Gladiatorenhaus“, das Haus des Achilles – jeweils so benannt  nach einem eindrucksvollen Bodenmosaiken. Der Gebäudekomplex des Eustolios umfasst eine private Badeanlage, einem Innenhof mit Becken, der mit Säulen umgeben war; Eingangstrakt und Wohn- bzw. Schlafräumen. Die Mosaike des Hauses sind christlich geprägt. „Anstelle von großen Steinen und festem Eisen, anstelle von glänzender Bronze und Diamant ist dieses Haus umgürtet von den vielverehrten Symbolen Christi“. Es sind vor allem Kreuze, die in dem geometrischen und pflanzlichen Ornament des Mosaikbodens sehr häufig vorkommen.

Haus des Eustolios

  Mosaik im Gladiatorenhaus            Achill ergreift Schild und Speer

Das Theater von Kourion wurde in hellenistischer Zeit erbaut. Später entfernte man die ersten Sitzreihen und umgab den Zuschauerraum mit einem Gitter. Tierhatzen und Gladiatorenspiele sollten die Zuschauer nicht in Gefahr bringen. Es ist ein kleines Theater – knapp 3500 Zuschauer konnten hier an den Aufführungen teilnehmen.

Eine berührende Geschichte umgibt das „Erdbebenhaus“ innerhalb der Anlage. Eine junge Familie wurde in ihrem Haus vom Erdbeben überrascht und fand gemeinsam den Tod, wie ihre Skelette bezeugten.

Die Geschichte von Achill: Er wurde von seiner Mutter in Frauenkleider gesteckt - doch der listige Odysseus bringt Waffen zu den „Mädchen“. Als Achill die Kriegsfanfare hört, reißt er Schild und Speer an sich…

Die Burg von Limassol: wunderbare Steinquader aufeinandergeschichtet. Der innere Hauptraum beherbergt ein Museum mit mittelalterlichen Exponaten.

Burg von Kolossi. Turm, sehr schön und festgefügt. Innen entsteht ein wunderbares Raumgefühl. Auch hier hat man den Ikonen die Augen ausgekratzt, um mit den Farb- und Mauerpartikel kranke Augen zu heilen.

4. Tag

Kloster Neophytos in der Nähe von Pafos. War ursprünglich eine Einsiedelei, die von den Menschen immer mehr „heimgesucht“ und schließlich (1170) in ein Kloster umgewandelt wurde. Neophytos, ein Mönch aus Kyrenia fand hier eine Höhle (1159), die er im Laufe der Zeit zu einer Einsiedelei ausbaute: Es war eine Zelle und eine anschließende, dem Hl. Kreuz geweihte Höhlenkapelle. Eine steinerne Liege, ein steinerner Tisch und ein Stuhl bildeten die spartanische Einrichtung. In der Nische der Cella baute er sich sein künftiges Grab.

Später erweiterte er den Kirchenraum, sodass die Kapelle zur Apsis der neuen Kirche wurde. Er selbst zog sich daraufhin in eine Höhle über dem Altarraum zurück.  Neophytos selbst beauftragte Theodoros Apseudes mit der Ausmalung von Cella und Bema (Altarraum).

      Jesus lehrt die ApostelPassion Jesu Weg zur Kreuzigung

Auferstehung: Besuch in der Vorhölle

               Neofritos wird von Engeln in den Himmel begleitet

Die Fresken zeugen von hoher künstlerischer Kraft – auch die Szenen, die sieben Jahre später von einem unbekannten Maler gestaltet wurden. Es ist ein heiliger Raum hier – das spürt man noch heute und ich schaue und betrachte solange, bis wir wieder weiter müssen…

Als ich fotografierte-ohne Blitz – hoffte ich, dass doch das eine oder andere Bild etwas geworden ist….

Weiter geht es zu den Königsgräbern. Diese Bezeichnung stimmt nicht, weil zur Zeit ihres Entstehens (294-58 v. Chr.) keine Stadtkönigreiche in Zypern existierten und die Ptolemäer die Herrschaft übernommen hatten. Doch bezeugt die Anlage der Gräber und ihre Ausstattung den Reichtum und das Ansehen einer reichgewordenen Bürgerschicht.

Unser Besuch im archäologischen Park von Paphos gilt zwei Villen, die als „Haus des Dionysos“ und „Haus des Theseus“, bekannt wurden, entsprechend der Hautthemen, die ihre Mosaike abbilden.

Der Boden im Haus des Dionysos bietet eine Fülle von reizenden Darstellungen – die Szenen je nach Raum besonders ausgewählt. Das Hauptthema des Hauses bildet die Liebe. Die Mosaike wirken sehr fein, malerisch und gekonnt.

Artemis auf der Jagd (hellenistisches Mosaik aus Steinen)
Narziss erblickt sein Bild im Teich

Jahreszeitenmosaik      Daphne wird in einen Olivenbaum verwandelt

Thisbe und Pyramos

Das Haus des Theseus ist riesig und wird als Haus des Statthalters aufgefasst.  Die Anlage ist offen und wir besuchen das Theseusmosaik. Es liegt in der Apsis des Innenhofes. Es ist ein kreisrundes Mosaik, das das Labyrinth des Minotauros darstellt. In der Mitte steht Theseus mit erhobener Keule, um den Minotaurus zu erschlagen. Zuschauer sind Ariadne und auch Kreta in symbolischer Darstellung  (mit Mauerkrone)

           

Im Haus de Aion bewundern wir das eindrucksvolle Mosaik (est. im 4.Jh – nach dem großen Erdbeben) worin verschiedene Szenen in ein großes Bild zusammengefügt sind. 1.Leda mit dem Schwan 2.Dionysos als Kind auf dem Schoß von Hermes 3. Schönheitswettbewerb 4.Triumphzug des Dionysos 5. Wettstreit zwischen Apoll und Marsyas. (Der Satyr hatte Apoll zu einem musikalischen Wettstreit herausgefordert. Zur Strafe ließ ihm Apoll die Haut abziehen – ein oft zitiertes Motiv in der Antike, das die Hybris des Menschen zu Fall kommt!)

Schönheitswettbewerb

                            Die Geburt des DionysiosTriumphzug des Dionysos

  Leda mit dem Schwan                                                                                                                                       Rache des Apoll an Marsias

5. Tag

Heute geht es nach Nikosia. Auf dem Weg dorthin besuchen wir Chirokoitia. Es ist eine neolithische Siedlung, die viele Rätsel aufgibt. Die Siedlung liegt am Hang eines niedrigen Hügels, der auf drei Seiten von dem Maroniou-Flüsschen umschlossen wird. Zurzeit sind 60 Rundhütten freigelegt (Tholoi). Viele andere warten noch auf ihre Entdeckung. Die Hütten hatten einen Durchmesser von bis zu 10 Meter und eine Mauerstärke von bis zu 3 Meter.  Die Bewohner ernährten sich vom Ackerbau und von der Jagd, züchteten Schweine, Ziege und Schafe. Sie verwendeten u.a. Werkzeuge aus Obsidian, einem scharfkantigen Lavastein, der auf Zypern nicht vorkommt – d.h. dass Handelsbeziehungen nach Kleinasien bereits existierten. Rätselhaft bleibt die Bedeutung ihrer Bestattungsriten. Die Toten wurden unter dem Hauptraum der Hütten begraben. Die Frauen wurden reich geschmückt – die Männer mit einem Stein auf der Brust begraben.

Vier dieser Hütten wurden rekonstruiert, dennoch vermitteln sie kein Gefühl für das einstige Ambiente. Erst der Aufstieg entlang der schützenden Außenmauer der ehemaligen Anlage bringt uns zum Nachdenken und Nachfühlen, was es bedeutet, dass hier vor 3000 Jahren und mehr, schon Menschen gelebt haben – als die schöpferische Kraft der antiken Welt noch in den Gedanken Gottes verborgen war.

Nikosia: Archäologisches Museum

Hier finden sich, wie überall, die kleinen Funde: Gebrauchsgegenstände und Kunstwerke, gesammelt über die Epochen. Zunächst betrachten wir die einfachen Linien der Idole aus dem Neolithikum,(z.B.Idol von Pomos) Schmuckstücke aus den Gräbern der weiblichen Toten, Keramik mit einfachen Verzierungen – szenische Terrakottaarbeiten

Mykenische Tonwaren, die manchmal ganz schlicht und dann wieder sehr verspielt hier in Zypern ein eigenes Gepräge haben, und zwar im Vergleich zur Festlandskeramik.  Dazu kommt ein Vielzahl von Terrakottafiguren, Weihegaben von Ayia Irini, die alle gemeinsam begraben wurden und jetzt in einer Vitrine Zusammen ausgestellt sind – einfach überwältigend.

Die schwarzfigurigen Vasen aus der klassischen Periode sind zweifellos Importware.

Dann gibt es noch hellenistische Marmorfiguren: Aphrodite, Artemis und einen eindrucksvollen Athleten in natürlicher Größe. Ein Bauer hatte die Figur entdeckt und schließlich doch die Archäologen verständigt ---

Chalkolithische Epoche Mitte des 3.Jahrtausends . 13:Jh.v.Chr.
Alle Exponate:7.Jh. v. Chr.
Weihefiguren 7.Jh.v.Chr. Löwe 6./7 Jh.v.Chr Goldszepter 11./12 Jh v.Chr.
Bronzestatue des Kaisers Septimus Severus als Athlet 2.Jh.n.Chr. Jünglingskopf 3.Jh.v.Chr.

 Aphrodite: 1.Jh. v.Chr.

 Auf Zypern gibt es einen regen Altertümermarkt, weil regionale und einheitliche Regelungen fehlen. Von den Turkzyprioten wurden frühchristliche Basiliken „zerlegt“ und die Gegenstände auf den Markt geworfen. die antiken Altertümer sind gleichsam Freiwild…

        

Christus von A.Lagoudhera 1190

Das Byzantinische Museum ist eine großartige Sammlung von unschätzbaren Meisterwerken (8. bis 18 Jh.) – Das Museum befindet sich im Areal des erzbischöflichen Palastes und lohnt den Besuch in jeder Weise.

Danach geht es weiter über die Demarkationslinie und zu Fuß durch die Altstadt von Nikosia. Unser Ziel ist die Kathedrale Hagia Sophia (Selimiye Moschee). die Kathedrale wurde zwischen 1209 und 1326 errichtet und gilt als Meisterwerk des gotischen Kirchenbaus. Italienische Meister gestalteten den Innenraum. Das Gebäude war bis 1489 Krönungskirche der Könige Zyperns. Danach beherrschten die Venezianer die Insel. Im Jahr 1571, nach der Vertreibung der Venezianer durch die Osmanen, wurde der gotische Sakralbau zu einer Moschee umgewandelt und die unvollendeten Westtürme als Minarette umgestaltet.

Ein frühgotischer Bau als Moschee, das tut schon weh – aber hier ist es einmal so, dass diese Dinge passieren. Die nahe Karawanserei ist sehr gemütlich, einfach so, wie man sich das vorstellt: Kleine Cafés, Verkaufsstände, in der Mitte eine kleine Moschee – Es gibt sogar eine Buchecke…

Später wandern wir wieder ein Basarstraße zurück zum Durchgang nach dem griechisch zypriotischen Teil der Stadt. Die Verkaufsläden haben mit der Zeit nicht Schritt gehalten – ein Angebot für einfachste Bedürfnisse in Kunststoff mit asiatischem Ursprung. Soll man dazu sagen leider, oder Gott sei Dank?

 

6. Tag

Salamis: Bekanntes Ambiente – griechische Gründung. Gymnasium mit korinthischen Säulen umgeben – eine sehr große Anzahl wurde wieder aufgestellt. Latrinen (44) sind in einem Halbrund angeordnet und Gut erhalten Die Bäderanlage gut erkennbar, aber schon sehr brüchig – ein Tonnengewölbe erhalten…Griechisches Theater nur in Resten vorhanden. Das 1930 restaurierte römische Amphitheater wird im Sommer als Freiluftbühne bespielt.

   
   

Das Barnabaskloster liegt inmitten eines Gräberfeldes, wo im 7./8. Jh. vor Christus Reiche und Arme bestattet wurden. Über den Gräbern wurden Tumuli (Hügel) aufgeschüttet, je nach Bedeutung des Toten, entsprechend die Größe.

Das Kloster selbst ist heute ein Ikonenmuseum, die aber keinen künstlerischen Wert haben. Eine kleine Kapelle außerhalb des Klosters überdacht das Grab - so die Legende - des Hl. Barnabas. Ich besuche das Grab etwa 3 Meter unter der Erde. Ein armenischer Christ sitzt vor dem Steinsarg und betet laut.  Ich setze mich auf die Steinstufen und bete leise mit. Später verlässt er seinen Platz mit strahlenden Augen. Die Frage, ob jetzt

wirklich ein heiliger Bischof hier begraben ist oder nicht, wird in diesem Augenblick obsolet…

Ich bleibe noch ein wenig und spüre der Atmosphäre nach, die durch das Vertrauen und die Gebete der Besucher hier entstanden ist…

Oben unter der Kuppel der Grabeskapelle durchschwirren Schwalben den Raum und erfüllen ihn mit ihrem Gezwitscher…

Famagusta (Gazimagusa)

Diese Stadt umgibt ein spürbarer Zauber. Hier hat die Vergangenheit mit der Gegenwart ein inneres Bündnis geschlossen. Selbst die Ruinen des Franziskanerklosters, des venezianischen Palastes und der Päläste der Adeligen wirken nah und vertraut. Die intakte Stadtmauer, weil immer wieder restauriert, ergänzt eindrucksvoll den Charakter der Renaissance Stadt, die sich aber gleichzeitig voller Leben und modernem Flair präsentiert. So wird z. B. das aus der arabischen Periode stammende Badehaus Pasa Hammam heute als Bar geführt.

Stadtmauer von Famagusta

 

Venezianische Ruinen

Das Zentrum der Altstadt bildet die Lala-Mustafa-Pascha-Moschee. Die ehemalige Nikolaus-Kathedrale wurde von den Kreuzfahrern als zweite Krönungskirche der Lusignans 1326 von französischen Baumeistern als dreischiffige Basilika errichtet. 1571, unmittelbar nach dem Sieg der Osmanen über die venezianischen Verteidiger, wurde die Kirche zur Moschee umgewidmet und nach ihrem Eroberer benannt.

Lala - Mustafa -Pascha - Moschee

Die Lazaruskirche in Larnaka hat religiöse Kraft, doch tragen die vielen Besucher die ganze Atmosphäre von einer Türe zur anderen. Es ist heiß und unangenehm stickig – im Grunde nur mühsam hier zu sein.

Lazaruskirche Ikonostas

Die Festung von Larnaka bietet in ihrem Innenhof Ruhe und Erholung. Ein Blick in die inneren Räume verrät die Funktion der Festung als Gefängnis und später auch der Hinrichtung durch den Strang – ein makabrer Hinweis auf das Auf und Ab der geschichtlichen Ereignisse.

7.Tag

Die Kreuzritterburg St. Hilarion liegt an einem der idyllischsten Plätze des Besparmak Gebirges. Der Kalksteinstumpf besticht durch seine Vegetation, die durch Föhren, Eichenbüschen und mediterrane Sträucher gebildet wird. Dazwischen zeigen sich immer wieder „Skipisten“ (abgeholzte Flächen), die als Brandschutzmauern dienen. Das Gebirge erreicht etwa 1000 Meter an seiner höchsten Stelle und wird durch schroffe abfallende Felsen gegliedert. Die Struktur des Gebirge ähnelt der unseres einheimischen Kalkgebirges – doch wirken hier die Felsen, bedingt durch Wind und hohe Luftfeuchtigkeit, zerrissener und malerischer.

Klosterkirche des Hl. Hilarion

 Die Burganlage gliedert sich in Oder- Unter und Vorburg. St.Hilarion verfügte über drei Verteidigungslinien an der Ostseite. Die anderen Seiten sind durch Steilhänge genug abgesichert. Wir wandern hinauf und werden von einem wunderschönen Panorama begleitet. Über eine enge Zugbrücke geht es zur Ruine der Klosterkirche, einer Achtstützenkirche mit großer Kuppel, die nun fehlt und nun vom Himmel überwölbt wird. Östlich davon betreten wir das Belvedere, einer Plattform, wo man die Küstenregion gut überblicken kann. Das Land wirkt von hier oben unendlich friedlich. 

Im ehemaligen Refektorium hat man einen Touristenstützpunkt errichtet. Hier ist es aber nicht besonders anheimelnd und wir verlassen wieder die Festung in Richtung Autobus.

Im Hafen von Kyrenia besuchen wir das Schiffswrack-Museum in der gleichnamigen Festung der Stadt. Das Wrack des um 300v.Chr in Girnes Küstengewässern gesunkenen Handelsschiffes, seine Fracht und viele Ausrüstungsgegenstände sind in den Räumen es Mittelalterlichen Ostflügels der Burg zu besichtigen. Ende der sechziger Jahre hatten Taucher, Archäologen Techniker in aufwendigen Grabungen die unzähligen großen und kleinen Fundstücke vom Meeresboden zutage gefördert und ebenso aufwendig präpariert. Das Ergebnis hat hoffentlich den Aufwand gerechtfertigt, und zwar im Hinblick auf die wissenschaftlich auswertbaren Details…

Der Anblick der Klosterruine Bellapais verschlägt mir zunächst den Atem! Noch in dem halbzerstörten Zustand ist die Mächtigkeit des Bauwerkes noch spürbar – oder gerade deswegen. Die Abtei wurde um 1198 von aus Jerusalem flüchtenden Augustiner- Chorherren gegründet. König Hugo I. aus dem Hause der Lusignan beschenkte das Kloster mit Ländereien. Nach 1206 entstand auch die jetzige Klosterkirche. In der Folge wurde der Konvent sehr reich und damit der Niedergang eingeleitet, der schon im 16. Jh. folgenschwer wurde. Nur Kirche und Refektorium blieben im Großen und Ganzen erhalten. Ich wandere hier allein und ungestört herum – durchquere die Kellerräume und finde mich auf einem Plateau, das eine wunderbare Fernsicht bietet--- es ist einfach wunderschön hier.

In die Diskussion ob der Baum des Vergessens, den DURELL in seinem Buch „Bittere Limonen“ beschreibt, noch authentisch hier wächst oder nicht, mische ich mich nicht ein.

    

Auf Wiedersehen Zypern – du umkämpfte Insel!

 

 

 

GESCHICHTE VON ZYPERN

Vorgeschichte

Die Insel Zypern liegt gleichsam als Trittstein vor der Küste des vorderen Orients. Nahezu in Sichtweite der benachbarten Länder konnte die fruchtbare Insel schon früh mit Schiffen erreicht und in teils friedlicher, teils kriegerischer Absicht betreten werden.

Etwa 3000 v. Chr. kamen die ersten „Siedler“ kamen mit ihren kostbaren Werkzeugen, u.a. auch mit Obsidianmessern (ein Stein, den es auf Zypern nicht gibt) vom umliegenden Festland und ließen sich u.a. Chirokitía nieder. Sie lebten von einfacher rudimentärer Landwirtschaft, von Jagd und vom Fischfang. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Nutztiere innerhalb der Befestigungsanlage gehalten wurden. Die gesamte Siedlung war von einem Mauerwall umgeben, der nach außen mit Steinen befestigt wurde. Um Feinde von der Siedlung abzuwehren wurde das Haupttor mit versetzten Treppen und Mauerverstärkungen geschützt.

Ihre Rundhäuser, die alle gleich groß waren und ihre Bestattungsriten geben bis heute Rätsel auf. Weil ein besonderes herausragendes Gebäude fehlte - so vermuten die Archäologen - gab es keinen Rangunterschied zwischen den Bewohnern. Die Gräber der Frauen waren deutlich prächtiger ausgestattet, als die der Männer – War ihre Religion einer Muttergöttin gewidmet? Und was bedeutete der Stein auf der Brust von vielen Männern?

Die bereits im Neolithikum bestehenden Verhältnisse der Wirtschaft haben sich in der frühen Bronzezeit nicht wesentlich verändert. Handelsbeziehungen zum umliegenden Festland werden intensiviert. Kupfer wird mehr und mehr abgebaut, weiterverarbeitet und exportiert. Die ganze Insel wird besiedelt. Während der ganzen Bronzezeit wird

eine weibliche Gottheit verehrt. Diese Gottheit gilt als Vorläuferin, als Schwester der späteren Aphrodite. Gebäudereste aus dieser Epoche finden sich kaum - doch viele Grabbeigaben, die eine hohe künstlerische Fertigkeit verraten: Rotpolierte Keramik in verschiedensten Formen wurden geschaffen und Szenen des täglichen Lebens abgebildet.

In der mittleren Bronzezeit entsteht weiße Keramik, Rot auf Schwarz-Malerei und Keramik mit schwarzem Überzug. Während dieser Epoche beginnt auch ein Festungsbau, vermutlich zur Abwehr der Hyksos im 17.Jh. v. Chr.

In der späten Bronzezeit entstehen die ersten städtischen Zentren: z.B. die Hafenstadt Kítion, als kupferexportierendes Zentrum. Das Fehlen von herausragenden Gebäuden in dieser Stadt lässt darauf schließen, das es ein Königtum im Sinne des späteren Machtverständnis noch nicht gab, obwohl vom zypriotischen König weise Ratschläge überliefert sind, die er König Hammurabi übermitteln ließ.(Briefe im Palastarchiv von Ugarit)

Ab 1555 v. Chr. – nach Vertreibung der Hyksos bestimmen Ägypter und Hethiter, als Großmächte, die historische Szene im östlichen Mittelmeer-gebiet. Im Ägäisraum hatte sich der Minoerstaat auf Kreta entwickelt, parallel dazu der mykenische Staat auf dem griechischen Festlande. Um 1200 v. Chr. wurden die Seestädte der Ägäis, Kleinasiens und Syriens durch „Seevölker“ zerstört. Es war ein bunt zusammengewürfelter Haufen von verschiedenen Völkerschaften, deren Herkunft und Kriegsmotive ungeklärt sind. In einer berühmten Schlacht wurden sie ca.1180 v. Chr. von Ramses III. gestoppt. In der Siegesbotschaft wird auch Alasa (Zypern) zu den zerstörten Ländern gezählt.

Die Zeit der Stadtkönigtümer

Im 11.Jh. wurden große Teile von Zypern vom griechischen Mutterlande aus besiedelt. Die Archäer, auch Mykener genannt, waren durch die Okkupation durch die kriegerischen Dorer vertrieben worden. Unmittelbar danach entwickelter sich in Zypern das sog. Stadtkönigtum. Insgesamt waren es an die zehn Stadtkönigtümer; davon war Salamis ein Art Hauptstadt, Altpaphos das griechisch gewordene religiöse Zentrum (Aphrodite Heiligtum), Kítion, mit dem phönizischen Astartetempel ein weiteres religiöses Zentrum. Für die Phönizier war Zypern das erste Etappenziel ihrer Expansion in den Mittelmeerraum, um Anker- und Ruheplatz für den weitausgreifenden Fernhandel phönizischer Kaufleute und Seefahrer zu werden.

Zwischen Ende des 8.Jh. bis zu Alexander den Großen (333 v. Chr) befand sich Zypern in einem ständigen Vasallenstatus. Assyrien beherrschte die Insel bis 664 v.Chr., danach Ägypten für einige Zeit und schließlich die Perser, die bis zum Ende der Stadtkönigtümer die Insel mehr oder weniger ihre Vorherrschaft spüren ließen. Zypern musste Tribute zahlen, was aber die Stadtstaaten nicht daran hinderte, zu wirtschaftlicher und kulturellen Blüte zu gelangen und den Aufstand gegen die Perser nicht zu versuchen.  Onesilos, wie auch dem Staatsmann Euagoras gelang es die Staatstaten zu einigen und gegen die Perser aufzustehen, allerdings unterlagen sie schließlich dem militärischen Übergewicht der Großmacht Persien, obwohl sie einige Unterstützung von den ionischen Städten und fünf Schiffe von Hellas erhielten.

Die Eroberung des Persischen Weltreiches durch Alexander bedeutet zunächst Unabhängigkeit von der persischen Herrschaft. Doch diese Unabhängigkeit währte nicht lange. Nach dem Tode Alexanders begann ein blutiger Machtkampf der Diadochen um Teilgebiete des sich auflösenden Großreiches. Zypern mit seinen Ressourcen: Kupfer und Holz, sowie seiner strategischen Lage wurde zum Zankapfel zwischen Antígonos, der in Kleinasien operierte und Ptolemäus, der Satrap in Ägypten geworden war. Schwankten die Stadt Könige noch anfangs zwischen den beiden Imperatoren, wurden sie bald eines Besseren belehrt. Ptolemäus eroberte Salamis und begann die Auslöschung des salaminischen Königshauses. Nikókreon wurde zum Selbstmord gezwungen, seine Frau tötete sich selbst und ihre Kinder – danach wurde Feuer an den Palast gelegt, worin die Königsfamilie und der gesamte Hofstaat in den Flammen unterging.

Die Ptolomäerherrschaft dauerte von 294-58 v. Chr. Ein Generalgouverneur (Strategós) verwaltete die Insel, während ein Beamtenstab und eine Sicherheitstruppe die Bewohner ständig kontrollierten. Neue Hauptstadt wurde Neu-Paphos, das zu einer großen Garnisons- und Verwaltungsstadt ausgebaut wurde. Der Stratege ließ sich schließlich auch zum Hohen Priester von Zypern einsetzen, um so legal an die Einkünfte der Heiligtümer heranzukommen. Alt-Paphos blieb noch immer ein vielbesuchtes Heiligtum der Aphrodite, das von Pilgern aus der ganzen hellenischen Welt gerne besucht wurde. Die Statue der Aphrodite von Sóli atmet den Geist des Hellenismus noch bis heute.

Von den prächtigen Bauten der ptolemäischen Zeit blieb kam etwas erhalten – weil Zypern 15 v. Chr. und 76/77n. Chr., sowie im 4. Jh. n.Chr von Erdbeben erschüttert wurde und vieles von den Römern überbaut wurde. Aus der hellenistischen Epoche ist eigentlich nur ein Monument gut erhalten geblieben, die Königsgräber von Neapaphos.

Zypern als römische und byzantinische Provinz.

Der Wechsel der Fremdherrschaft, der zunächst begrüßt wurde, endete für Salamis in einer Katastrophe. Während normalerweise ein Steueranteil von 6 % von der römischen Verwaltung eingehoben wurde, verlangte Macius Scaptius, ein Agent des M.Junius Brutus, dem späteren Cäsarmörder, 48% der Stadteinnahmen als Abgaben. Brutus schickte ein Militäraufgebot, um die Steuern einzutreiben. die Stadtverwaltung wurde belagert und die Stadtväter ausgehungert, von denen fünf den Tod fanden. Diese Form hemmungsloser und letztlich erfolgloser Ausbeutung wich dann einer kontrollierten und effektiveren Form. Zypern wurde 22.n. Chr. römische Provinz mit einem Statthalter. Persönliches Eigentum des Kaisers blieben die Kupferminen Zyperns, deren Ertrag direkt in die Privatschatulle des römischen Herrschers floss. Trotz der Besteuerung durch Rom erlebte Zypern damals einen wirtschaftlichen Aufschwung. Man exportierte Öl und Wein, Holz und Kupfer. Der zypriotische Schiffsbau war gesucht und erfolgreich tätig. Dazu kam, dass sich römische Händler auf der Insel niederließen und zypriotische Agrar- und Handwerkserzeugnisse vermarkteten. Zweifellos trug auch das neuerrichtete Straßennetz zur Erfolgsgeschichte des Landes bei.

Die Mosaike von Paphos- besonders im Haus des Dyonisos mit ihrer Thematik von Liebe und Wein- sind Ausdruck des Wohlstandes einer saturierten römischen Oberschicht.

Fast 700 Jahr relativer Ruhe und blühender Wirtschaft fanden 647 ihr Ende, als die Araber unter Muawija (Begründer der Omaijaden- Dynastie) zum Sturm auf Zypern ansetzte. Fast 300 Jahre blieb Zypern ein umkämpftes Gebiet zwischen Arabern und Byzanz.

Im 10. Jh. setzte die Rückeroberung Zyperns durch das neu erstarkte byzantinische Reich ein. Seestädte wurden zugunsten sicherer Landstädte aufgegeben. Im Pentadaktylosgebirge entstand eine Kette von mittelalterlichen Burgen, die den Norden der Insel gegen die Araber schützen sollte. Während der Regierungszeit der Makedonen und Komenen Kaiser kam es zu einer Blütezeit  byzantinischer Kunst und Architektur, die auch in Zypern zu bedeutenden Klostergründungen führte. Noch heute zeugen das Kykkokloster, Machrärás, Chrysorrogiátissa und  Agios Neóphytos von dem Stiftungen dieser Renaissance. Andere Klöster, wie Lagouderá oder des Hagios Johannes Lampadistes sind wegen ihrer wunderbaren Fresken weithin berühmt.

1184 eroberte Isaak Komenos (Nebenlinie der Byzantinischen Komenendynastie) die Insel und erklärte sich zum Kaiser von Zypern. Damit gehörte Zypern nicht mehr zum byzantinischen Reichsverband, was die Eroberung der Insel durch Richard Löwenherz (Kreuzfahrer)wesentlich erleichterte. Richards Schwester Johanna und seine Braut Berengaria von Navarra waren nach einem Schiffbruch auf der Insel gestrandet, woraufhin Richard am 6. Mai 1191 bei Lemesos (Limassol) landete, angeblich um einer möglichen Gefangennahme seiner Angehörigen durch Isaak Komnenos zuvorzukommen. Isaak trat Richard gegenüber recht schroff und selbstbewusst auf, woraufhin Richard mit seinem überlegenen Kreuzritterheer die Insel kurzerhand eroberte. Richard kam dabei die Unterstützung der vornehmen Familien Zyperns zugute, die in den vergangenen sieben Jahren unter der Herrschaft Isaaks zu leiden gehabt hatten. Isaak wurde schließlich gefangen genommen und eingekerkert, bevor Richard seinen Kreuzzug ins Heilige Land fortsetzte. Bei der Eroberung von Kyrenia hatte Richard auch die zyprische Staatskasse erbeutet. Er tat auch noch ein Übriges und verkaufte die Insel an den Templerorden. Ein Aufstand der Bevölkerung verunsicherte die Templer, sodass sie die Insel an Guy de Lusignan abtraten, der als angeheirateter König von Jerusalem in Streitigkeiten mit dem Adel verwickelt war.

Die Lusignans und Venezianer

Die Übernahme Zyperns durch die Lusignans fällt zusammen mit dem Triumph der Gotik in Frankreich. Die Kathedralen der Hochgotik, wie z. B. Reims und Chartres wuchsen gleichzeitig mit den zyprischen Bauten in die Höhe: St. Sophia in Nikosia, St.Nikolaus in Famagusta und das Kloster Bellapais. Alle Bauten sind ohne barocke Umgestaltung erhalten - allerdings ohne Figurenschmuck, der von den Moslems abgeschlagen wurde. Französische Bauhütten wurden nach Zypern beordert. Reiche Kaufleute wetteiferten miteinander um die Ehre Kirchenbauten zu finanzieren.

1489 übergab die Gattin des letzten Lusignan, Caterina Conaro, die Insel an Venedig. (Ihr Gatte und ihr kleiner Sohn wurden von den Venezianern vorsätzlich ermordet).

Im Dienst der Hohen Pforte

Die venezianische Herrschaft endete 1571 mit der Einnahme Famagustas durch die Türken. Famagusta wurde von Markantonio Bragadin verteidigt -klug und geschickt hielt er mit einer kleinen Zahl von Leuten der Belagerung durch die Osmanen 11 Monate stand. Als sie der Hunger zum Aufgeben zwang, ergaben sie sich Lala Musthapha Pascha, dem Anführer der Osmanan, der ihnen freien Abzug versprach. Dieser brach sein Versprechen und ließ Markantonio und seinen Mitstreitern Nase und Ohren abschneiden. Darauf mussten sie 2 Wochen im Steinbruch Schwerstarbeit verrichten. Schließlich ließ Lala Pascha Markantonio vor seinen Augen- er stand auf der Loggia der Kathedrale – lebendig häuten, bis ihn nach der Hälfte dieser Folter der Tod erlöste.  Doch damit nicht genug. Sein Leichnam wurde gevierteilt und seine abgelöste Haut ausgestopft und zu Abschreckung an den Burgsprit des Führungsschiffes gebunden.

Unter dem Protektorat der hohen Pforte wurde die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben und das von den Venezianern verlassene Land an griechische Bauern vergeben, sowie 20.000 Türken vom Festland in Zypern angesiedelt. Die Befreiung war allerdings nur ein Formwechsle in der Abhängigkeit. Von den freien Bauern wurden nun Abgaben und Steuern erhoben, die die Arbeitskraft der Bevölkerung massiv lähmte. Die Wirtschaft lag immer mehr darnieder. Hundert Jahre nach der Eroberung der Insel versuchte man nun dem wirtschaftlichen Niedergang = Steuerausfall zu steuern, indem man die Bischöfe zu Kontrollorganen der türkischen Beamten machte, die direkten Kontakt zur Hohen Pforte hielten. Die eigentliche Macht lag jetzt in den Händen der religiösen Führer, die von einem Dragomann, dem obersten Steuereintreiber unterstützt wurde.

Wie überall in den moslemischen Ländern erweist sich die Moschee, als der religiöse Mittelpunkt, der entsprechend künstlerisch gestaltet wird. Dazukommen Gasthöfe, Karawansereien, Bäder, Brunnen, Herrenhäuser, die sich in Nikosia befinden und für die türkische Oberherrschaft ein erfreuliches Zeugnis geben.

Britische Herrschaft

1878 trat das Osmanische Reich Zypern an England ab, als Gegenleistung für militärische Unterstützung gegen das russische Vordringen auf dem Balkan. Die Engländer benutzten die Türkei nicht nur als Bollwerk gegen Russland, sondern brauchten Zypern auch als Zwischenstation auf dem Seeweg nach Indien. Der Suezkanal, der den Seeweg durchs Mittelmeer nach Indien ermöglichte, war 1869 eröffnet worden. England war damals am Gipfelpunkt seiner Macht. Es besaß unangezweifelt das Monopol bei der kolonialen, imperialistischen Aufteilung der Welt.

 

Enosis (Vereinigung)

Zur Zeit der Übernahme Zyperns durch die Engländer waren 25% der Gesamtbevölkerung Türken, ihr Anteil verringerte sich bis 1960 auf 18 Prozent.

Seit Beginn der britischen Herrschaft kämpfte die griechische Bevölkerung, allen voran die Kirche, für die Befreiung ihres Landes aus der Kolonialherrschaft und seine Vereinigung mit dem griechischen Mutterland.

1931 km es zu gewaltsamen Aktionen gegen die Briten. 1950 stimmten 96% der griechischen Bevölkerung in einer von der Kirche organisierten Volksabstimmung für Enosis. Die Briten blieben hart. Nachdem auch die UNO ihre Forderung nach Enosis abgewiesen hatte, explodierten die ersten Bomben. Die EOKA hatte sich organisiert. Sie war politisch rechtsgerichtet und bestand nur aus wenigen national gesinnten Männern. Die Linke auf Zypern plädierte für gewaltfreie Mittel, wie Streiks und Demonstrationen.

Angesichts des anhaltenden Widerstandes bahnte sich seit 1958 ein Zypernabkommen an, das nicht die Enosis brachte, aber eine von England, Griechenland und der Türkei kontrollierte Unabhängigkeit, wobei der griechische und türkische Bevölkerungsteil je als eigene Nation bei der Staatsverwaltung berücksichtigt wurde.

Dieses System sollte schwerwiegende Folgen haben. Die Enosisanhänger gaben nicht auf. Erzbischof Makarios, der erste gewählte Staatspräsident, wurde von ihnen als Verräter gesehen. Sein Bemühen um eine neue Verfasssung wurde von der Garantiemacht Türkei aufs schärfste zurückgewiesen.  Im Dezember 1963 kam es zu Kämpfen zwischen den griechischen und türkischen Zyprioten. Griechen und Türken, auch „Verräter“ wurden ermordet. Moscheen und Kirchen in die Luft gesprengt. Bis zu 25000 Turkzyprioten mussten sich zu ihrem Schutz in Enklaven zurückziehen. Griechenland und die Türkei schickten, wie vorher schon die Briten, Soldaten nach Zypern. Daraufhin nahm sich die UNO der Sache an. 1964 trafen die ersten Friedenstruppen auf Zypern ein, die bis heute hier stationiert sind.

Auch die Blauhelme konnten in der verfahrenen Situation nichts ausrichten. 1967 kam in Griechenland die Militärjunta an die Macht. Makarios war und blieb ein erbitterter Gegner der „schwarzen Obristen“, die er scharf kritisierte. Die Folge waren Attentate, denen Makarios aber immer wieder entkam. Am 15 Juli 1974 wurde der Präsidentenpalast angezündet und fünf Tage später marschierte die türkische Armee auf Zypern ein und besetzte 36 Prozent des nördlichen Territoriums und 65 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Etwa 6000 Personen starben, etwa 200 000 Griechen mussten vom besetzten Norden nach Süden fliehen. Umgekehrt gingen Turkzyprioten aus dem Süden in den Norden und übernahmen griechische Einrichtungen. Zusätzlich siedelte die türkische Regierung in den Folge Jahren 30 000 bis 50 000 anatolische Siedler in Nordzypern an.

Da die angesiedelten Türken nur begrenzt zu landwirtschaftlich nutzbaren Flächen kamen, haben sich viele auf den Fremdenverkehr konzentriert und Restaurants, Hotels und Spielcasinos eröffnet (mit finanzieller Unterstützung vom Festland her). Sie sind fleißig und erfolgreich, was ihnen aber kaum positiv angerechnet wird.

Am 20. Juni 1975 ließ sich Rauf Denktasch zum Präsidenten des „Türkischen Bundesstaates von Zypern“ ausrufen. Dieser „Staat“, der auch ein Parlament besitzt, ist international geächtet und nur von der Türkei anerkannt.

Verhandlungen zur positiven Lösung der Situation sind bisher alle gescheitert. Die Zeit läuft für die Beibehaltung der Teilung. schon heute können sich die jungen Leute in Nord und Süd nicht mehr verstehen… Nach den Mitteilungen unserer Reiseleiterin verstehen sich griechischen Zyprioten und die Turkzyprioten heute nahezu ohne Probleme. Was heute schwer wiegt und wovor die griechischen Zyprioten Angst haben ist, dass in einem vereinigten Zypern die inzwischen angesiedelten Türken eine nachhaltige Machtposition darstellen, allein schon durch ihre Zahl. So gibt es keinen Fortschritt, sondern nur eine Zementierung des status quo.

Die Angst ist der Faktor, der keine politische Lösung zulässt, obwohl die griechischen Zyprioten gerne und häufig nach Norden fahren, um dort in den etwa 12 Spielcasinos von Nordzypern ihr Geld zu verspielen, um damit deren wirtschaftlich Prosperität noch zu steigern.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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